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Full text of "Über den Gott Eros"

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ÜBER 


DEN  GOTT  EROS. 


GELESEN  IN  DER  KÖNIGL.  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN  ZU  BERLIN 

AM  20.  JULI  1848 


VON 


EDUARD  GERHARD. 


MIT  FÜNF  KUPFERTAFELN. 


BERLIN. 

GEDRUCKT  IN  DER  DRUCKEREI  DER  KÖNIGL.  AKADEMIE 
DER  WISSENSCHAFTEN. 

1850. 


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Xm  Zusammenhang  griechischen  Götterwesens  bleibt  der  Liebesgott  Eros 
eine  nicht  minder  wichtige  als  räthselhafte  Gestalt  (’).  Dem  erhabenen  Lob, 
welches  Plato(2)  und  Sophokles(3)  begeistert  ihm  spenden,  steht  bis  zu  den 
spätesten  Dichtern  des  Alterthums  hinab  die  Schilderung  seiner  unwider- 
stehlichen Macht  gegenüber,  und  -wenn  man  die  Begriffe,  die  dabei  in  An- 
schlag kommen,  analysirt,  so  umfassen  sie  jeden  Bezug  auf  Welt  und  Men- 
schenleben, mit  gleicher  Huldigung  für  Eros  als  Schöpfer  des  Weltalls  wie 
für  Eros  als  regsamen  Führer  der  sterblichen  Menschen,  dem  jeder  edelste 
Wettstreit  aber  auch  die  unwürdigste  Verführung  dann  und  wann  beigelegt 
wird.  Wie  viel  von  diesem  inneren  Widerspruch  den  Philosophen  und 
Dichtern  allein  zu  Schulden  komme,  und  wie  viel  im  Mittelpunkt  alter  Be- 
ligion  dem  Gott  Eros  selbst  angehöre,  ist  eine  kaum  hie  und  da  angeregte 
und  erst  im  Zusammenhang  geschichtlicher  Forschung  über  des  Gottes  We- 
sen und  Bedeutung  zu  lösende  Fi’age.  Mehrere  allgemeine  Grundsätze  my- 
thologischer Forschung  müssen  der  Beantwortung  dieser  Frage  vorangehn. 

Zu  solchem  Behuf  erinnern  wir  uns,  wie  in  den  Religionen  des 
Alterthums  alle  Göttermacht  auf  der  Götter  Botmäfsigkeit  über  die  erschaffne 
Natur  beruht;  erst  auf  den  Grund  dieser  Herrschaft  ist  auch  der  sterbliche 
Mensch  den  Göttern  unterthan.  Nächstdem  erwägen  wir,  wie  alle  hochge- 
stellten Gottheiten  des  Alterthums,  jede  von  ihnen  im  Lande  oder  Volks- 
stamm auf  den  sie  ursprünglich  beschränkt  war,  zugleich  als  schöpferische 
und  als  regierende  Mächte  bezeugt  sind,  und  machen  von  diesen  beiden 
Grundsätzen  sofort  unsre  Anwendung  auf  den  Gott  Eros.  Etwa  wie  Zeus 
der  Erretter  und  Zeus  der  Besitzgott  einem  und  demselben  auf  Naturmacht 

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Gerhard 


wurzelndem  Götterbegriff  angehören,  giebt  auch  Eros  im  Allgemeinen  als 
ursprünglicher  Naturgott,  nächst  diesem  seinem  Grundbegriff  aber  einerseits 
als  Schöpfer  des  Weltalls,  anderntheils  als  belebender  Naturtrieb  der  geord- 
neten Schöpfung  sich  kund.  Diese  Gesammtidee  des  thespischen  Gottes, 
welcher  die  Gegensätze  des  ältesten  und  des  jüngsten,  des  himmlischen  und 
des  irdischen,  des  hesiodisch- orphischen  und  des  anakreontischen,  des  selb- 
ständigen oder  des  an  Aphrodite  geketteten  Eros  durchgängig  sich  unter- 
ordnen, haben  wir  nun  im  Einzelnen  nachzuweisen.  Was  uns  hiebei  haupt- 
sächlich entgegensteht  ist  der  jede  andre  mythologische  Entwickelung  über- 
bietende Umschwung,  den  Poesie  und  Philosophie  von  der  frühesten  bis  in 
die  späteste  Zeit  auf  den  Begriff  dieses  beliebtesten  aller  griechischen  Götter- 
wesen geäufsei't  haben.  Weder  die  rein  poetisch  gebliebne  Vervielfältigung 
des  Eros  in  eine  unendliche  Vielzahl  gleichartiger  Flügelknaben  (4),  noch 
auch  der  daran  geknüpfte  Begriff  tändelnder  Liebesverführung  darf,  wo  der 
eigenste  Sinn  dieses  Gottes  erforscht  werden  soll,  voreilig  in  Rede  kommen, 
und  wenn  ein  doppelter(5)  oder  dreifacher (6)  Eros  im  Eros,  Pothos  und 
Himeros(7)  altgriechischen  Tempeldienstes  allerdings  wohl  begründet  ist, 
so  müssen  doch  Ausführungen  dieser  Gegensätze,  selbst  wenn  sie  vom  gött- 
lichen Plato  stammen  — , es  mufs  die  Trennung  des  himmlischen  und  des 
irdischen  Eros  (8)  nicht  weniger  als  die  Paarung  von  Eros  und  Anteros,  seine 
allegorische  Abkunft  von  Poros  und  Penia(9)  eben  so  sehr  als  die  mythische 
von  Aphrodite  für  den  Zweck  dieser  Abhandlung  vorerst  in  den  Hintergrund 
treten. 

Unerwähnt  bei  Homer,  ist  Eros  zuerst  aus  Hesiods  kosmogonischer 
Auffassung (10),  nebenher  aus  der  davon  unabhängigen  Lobpreisung  bekannt, 
durch  welche  ihn  der  askräische  Sänger  gleich  andern  Gottheiten  seiner 
Heimath  hervorhebt(u).  Der  hochgestellte  Erosdienst  seiner  Nachbai’stadt 
Thespiä  mochte  besonderen  Anlafs  dazu  gegeben  haben,  und  glücklicher 
Weise  ist  die  Beschaffenheit  dieses  rein  hellenischen (12)  Dienstes  uns  nahe 
genug  bekannt,  um  einerseits  die  universelle  Bedeutung  des  Eros  als 
Schöpfungsgottes,  anderntheils  seine  Geltung  als  Kampf- und  Liebesgott, 
beidemal  ohne  Beziehung  auf  Aphrodite , daran  knüpfen  zu  können.  Im 
böotischen  Thespiä(13),  dem  als  heilige  Stätte  des  Eros  höchstens  das  stamm- 
verwandte Parion(14)  zur  Seite  stehn  kann,  ward  Eros  als  roher  Stein,  also 
in  altbekannter  pelasgischer  Weise  derjenigen  ähnlich  verehrt,  welche  für 


über  den  Gott  Eros. 


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alle  ältesten  Gottheiten  Griechenlands  üblich  war  und  in  den  viereckten 
Pfeilern  des  Hermes,  wie  in  der  Säulenbildung  des  Apollo  Agyieus,  auch 
späterhin  üblich  blieb.  Der  Begriff  schöpferischen  Naturtriebs,  der  aus 
dieser  letzteren  Gottheit  spricht,  ist  auch  für  Eros  nachweislich;  ohne  dem 
thespischen  Stein  die  öfters  für  ihn  vorausgesetzte  phallische  Form(15) 
ohne  Weiteres  zuerkennen,  oder  durch  späte  Analogien  den  Eros  zum 
phallischen  Gott  gleich  Hermes  steigern  zu  wollen (16),  haben  wir  doch  der 
sophokleischen  Lobpreisung  Eros  des  Heerdengottes  und  neben  andern  dar- 
auf bezüglichen  Spenden  auch  einem  Dichterzeugnifs  zu  folgen,  laut  wel- 
chem Eros  von  Kypros  her  im  neuen  Lenz  als  der  Erde  Besamer(17) 
erwartet  wird,  eine  Geltung  mit  welcher  auch  die  fünfjährige  Wiederkehr 
seiner  Feste (1S)  wohl  stimmt.  Der  damit  ausgesprochnen  Naturbedeutung 
des  Gottes  konnten  die  ältesten  Nalursymbole,  Phallus  sowohl  als  Schlange(19), 
nicht  schlechthin  fremd  sein;  doch  blieb  deren  Anwendung  jener  reinen 
Göttlichkeit  untergeordnet , vermöge  welcher  Eros  von  allen  griechischen 
Göttern  nur  im  Apoll  seines  Gleichen  findet.  Wie  sie  in  unbewufstem  Tief- 
sinn aus  des  Praxiteles  Marmor  strahlte  (20),  hatte  der  Volkssinn  in  reinen 
Strömungen  ihren  Ausdruck  gefunden:  im  Haine  des  Erostempels  zu  Leuk- 
tra  ward  der  durchfliefsende  Strom  durch  kein  Winterlaub  befleckt^1),  und 
r in  Thespiä,  wo  Narkissos  durch  spiegelnden  Quell  zur  lieblosen  Selbstbe- 

schauung verlockt  ward(22),  waren  die  Sängerinnen  helikonischer  Quellen, 
die  Musen,  dem  Dienst  des  Eros  verbündet  (23). 

Aber  nicht  blos  diese  Quellnvmphen  harmonischen  Gesangs,  von 
deren  Götterstimme  Thespiä (24)  benannt  zu  sein  scheint,  auch  die  gleichfalls 
böotischen  Göttinnen  aller  Lebensharmonie,  die  Chariten,  standen  mit  Eros 
in  Verhältnifs(25)  und  wie  das  Naturgefühl  alles  aufwärts  sprossenden  leib- 
lichen und  geistigen  Triebes  in  ihm  sich  aussprach,  stand  Eros  auch  mit  den 
Mächten  der  Erdkraft(26)  im  Bunde.  Von  der  Idee  der  Weltschöpfung,  die 
er  ausfüllte,  war  auch  der  Begriff  von  Erde  und  Unterwelt  nicht  zu  trennen, 
und  wenn  dieser  Begriff  vor  aller  Fülle  der  Lebens-  und  Liebeskraft,  die 
Eros  darstellt,  gemeinhin  zurücktritt,  so  ist  er  darum  doch  keineswegs  unbe- 
zeugt.  Der  unsichern  Annahme  zu  gesclmeigen , als  sei  beim  Trophonios- 
dienst  von  Lebadea  auch  Eros  betheiligt  gewesen (27),  ist  aus  den  vornehm- 
sten Orten  des  Erosdienstes,  aus  Thespiä (2S)  sowohl  als  aus  Parion(29), 
cerealischer  Dienst  bezeugt,  und  wie  dort  die  Verknüpfung  beider  Kulte 


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Gebhard 


durchaus  wahrscheinlich  ist,  sind  auch  Bezüge  des  Eros  zur  eleusinischen 
Feier,  dem  Verhältnis  Athens  zu  Thespiä  entsprechend,  aufser  Zweifel (30); 
sonstige  Bezüge  desselben  Gottes  zu  Demeter  und  der  Göttermutter  treten 
hinzu(31),  wie  denn  hauptsächlich  auch  der  samothrakische  Göttername  Axi- 
eros,  der  dem  Eros  gleichlautend  von  Mnaseas  auf  Demeter  gedeutet  wird  (32), 
den  Beweis  jener  Wechselbeziehung  vollenden  hilft.  Mit  solchen  Götter- 
mächten selbständig  verbunden  und  in  der  einfachsten  Form  bild-  und 
namenlosen  pelasgischen  Götterwesens  hochgefeiert,  hatte  der  thespische 
Naturgott  gerechten  Anspruch  für  älter  als  andre  Naturgottheiten,  für 
einen  Gott  unbekannten  Ursprungs  so  lange  zu  gelten,  bis  Dichterstimmen, 
wie  Sappho  Simonides  Ibykos  sie  ihm  boten,  in  Chaos  Uranos  Kronos  die 
einzigen  Mächte  verkündeten,  die  einen  so  gewaltigen  Gott  an  Alter  zu 
überbieten  vermöchten (33),  dagegen  denn,  um  auch  ihr  überschwengliches 
Wissen  als  ungenügend  zu  entkräften,  der  neu  begeisterte  Glaube  an  Eros 
als  ewig  jungen  Lebens-  und  Liebesgott  mit  der  Versicherung  ihnen  ent- 
gegen trat,  dafs  Eros  von  allen  Göttern  der  jüngste  sei(34).  Vom  Ruhm 
dieses  wundersamen  böotischen  Gottes  erfüllt,  blieb  die  priesterliche  Poesie 
Böotiens  in  seiner  Verherrlichung  nicht  zurück : während  sie  einerseits  dem 
Volksglauben  entsprechend  in  Eros  einen  Weltschöpfer(35)  und  Weltord- 
ner(36),  gleich  Zeus  Apollo  und  Kadmilos-Hermes,  in  seiner  Lyra  das  Sinn- 
bild der  Weltharmonie , in  Bogen  und  Fackel  das  Sonnen-  und  Lebenslicht 
verkündete  (37),  und  mit  aller  Fülle  des  Schöpfungsgottes  vermutblich  auch 
alle  Gewalt  eines  Lebens-  und  Todesgebieters  ihm  beimafs,  liebte  sie  an- 
dererseits den  geheimnifsvollen  Ursprung  des  vater-  und  mutterlosen  Eros 
durch  seine  Geburt  aus  einem  Weltei,  gleich  Phanes  und  gleich  Protogonos- 
Erikapäos(38),  sich  auszumalen  und  auch  die  mannweibliche  Bildung(39) 
asiatischer  Urwesen  auf  Eros  zu  iibei'tragen. 

Unberührt  wie  von  schwächendem  Sinnenreiz  so  auch  vom  subtilisi- 
renden  Tiefsinn  orphischer  Theologie,  stellt  der  thespische  Eros  in  aller 
belebenden  Frische  und  Selbständigkeit  des  hellenischen  Geistes  sich  dar. 
In  den  sinnvollen  Festgebräuchen  jener  Stadt  war  jener  lebenskräftige  Na- 
turgott, den  Hesiod  als  schönsten  und  unwiderstehlichsten  aller  Götter, 
aber  auch  als  Sorgenbefreier  uns  vorführt,  während  Beinamen  seines  Dien- 
stes als  königlichen  und  Freiheitsgott  ihn  bezeichnen (40),  ein  durchgängiger 
Führer  und  Vorstand  leiblicher  und  geistiger  Ausbildung  geworden,  wie  er 


über  den  Gott  Eros. 


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in  mehreren  Städten  Böotiens  und  eben  so  in  Kreta,  Samos  und  Sparta 
es  blieb  (41).  Gefeiert  im  Sinn  der  Eleutherien  von  Platää  und  des  orcho- 
menischen  Charitenfestes (42)  war  Eros  ein  Gott  des  Kampfes  in  Krieg 
und  Frieden  — , ein  Beschützer  der  zum  Kampf  und  zu  sonstiger  Einigung 
mit  einander  verbrüderten  Liebenden,  wie  Theben  hauptsächlich  als  heilige 
Schaar  sie  kennt  und  Opfer  unmittelbar  vor  der  Schlacht  dem  Eros  gewid- 
met (43)  es  bezeugten,  aber  auch  ein  Gott  der  durch  verbündeten  Kampf 
gesicherten  Freiheit  und,  wenn  er  die  Waffen  abgelegt,  der  einträchtigen 
Staatsgewalt,  die  in  öffentlichen  Gebäuden  sein  Bild  zur  Schau  trug(44). 
Jener  Verbrüderung  zum  Kampfe  für  Freiheit  und  Vaterland  stand  nun  Eros, 
der  angestammte  grofse  Naturgott  des  Landes,  zunächst  als  der  Gott  geselli- 
ger und  gesitteter  Neigungen  vor:  die  griechische  Männerliebe,  die  unter 
seinem  Schutze  gepflogen  wrard , stand  bis  auf  die  Zeit  der  Pisistratiden  in 
unbescholtenstem  Ruf,  und  von  Unsittlichkeit  vollends  der  thespischen  Eros- 
feste ist  kaum  aus  spätester  Zeit  ein  sicheres  Zeugnifs  vorhanden  (45).  Wohl 
aber  mochte  sowohl  die  Reinheit  ihrer  Verbrüderung  als  auch  die  unwider- 
stehliche Gewalt  mit  welcher  die  von  Eros  beschützten  Liebenden  fürs 
Vaterland  kämpften,  ihnen  die  hohe  Anerkennung  gewähren,  durch  welche 
in  dorischen  Staaten  kein  edler  Jüngling  seines  Liebenden  hätte  entbehren 
mögen  — , eine  Volksansicht,  die  auch  in  mythischer  Form  aus  der  böoti- 
schen  Heimath  des  Erosdienstes  uns  vorliegt,  nämlich  in  der  Narkissossage, 
die  eines  blühenden  Jünglings  Untergang  durch  lieblose  Selbstbespiegelung 
meldet. 

Als  F estgebräuche  zu  Ehren  des  thespischen  Eros  werden  musische 
sowohl  als  auch  Wraffenkämpfe  erwähnt(46).  Die  bevorzugte  Gattung  dieser 
letzteren  ist  ohne  Zweifel  uns  angezeigt,  indem  uns  Leyer  und  Bogen 
als  gültigste  Attribute  des  Eros  bekannt  sind(47).  An  den  rohen  Götter- 
stein geheftet  (48)  mochten  sie  ursprünglich  jenem  doppelten  Wettkampf 
gelten,  dessen  athletische  Hälfte  wir  zumal  im  Zusammenhang  kretensischer 
Erosfeste  ohne  Befremden  als  Schützenübung  (49)  und  als  den  Anlafs  uns 
denken  dürfen,  warum  das  schöne  Symbol  der  Lyra  dem  Eros  verhältnifs- 
mäfsig  selten (50),  das  Beiwerk  des  Bogens  (51)  aber  zugleich  mit  palästrischer 
Jugendbliithe  (52)  seinen  berühmtesten  Darstellungen  gegeben  ist.  Anlässen 
sonstiger  Art  ist  ein  drittes  für  Eros  nicht  minder  bezeugtes  Attribut,  das 
der  F ackel(53)  beizumessen,  deren  symbolischer  Bezug  auf  blühendes  oder 

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Gerhard 


erloschenes  Lehen,  wie  sie  auf-  oder  abwärts  gekehrt  den  Eros  zum  Lebens- 
oder Todesdämon  gemacht  hat,  ohne  Zweifel  später  ist  als  die  zunächst 
liegende  Bedeutung  nächtlicher  Feier.  Eine  solche  dem  Gott  thespischer 
Wettkämpfe  beizumessen  sind  wir  durchaus  nicht  berechtigt;  wohl  aber  konn- 
ten an  gleichem  Ort  aphrodisischer(54),  oder  noch  füglicher  der  schon  oben  von 
uns  berührte  cerealische,  Götterdienst  den  Eros  in  gleicher  Weise  erscheinen 
lassen  wie  anderwärts  der  eleusinische  Jacchos  als  Fackelträger  und  als  licht- 
bringender Stern  der  Erdgöttin  und  ihren  Festen  leuchtet  (55).  Begünstigt 
wird  eine  solche  Ableitung  des  fackeltragenden  Eros  auch  durch  die  Flü- 
gelbildung,  die  ungefähr  seit  der  sechzigsten  Olympiade  bekanntestes 
Merkmal  dieses  Gottes  geworden  sein  mag(56)  und  für  den  Begriff  des 
Eros,  wie  er  allmählich  sich  festgestellt  hatte,  sehr  ausdrucksvoll  ist.  Der 
stürmische  Luftschritt,  den  ihm  die  Flügel  gewähren,  steht  ihm  als  Kampf- 
gott wohl  an  und  ist  in  solcher  Geltung  dem  personificirten  Agon(57)  ge- 
blieben — , ferner  reiht  der  erst  spät  entwickelte , aber  in  Vergötterungen 
des  Luft- und  Frühlingshauchs , wie  Erikapäos(58),  vielleicht  schon  früher 
begründete  Begriff  eines  die  Luft  durchgaukelnden  Liebesgottes (59)  sammt 
der  darauf  begründeten  Abstammung  von  Zephyros  und  Iris(60)  demselben 
Gedanken  des  wehenden,  stürmenden,  säuselnden  Geistes  sich  an,  dessen 
Offenbarung  durch  Eros  zugleich  mit  der  Winde  Gemeinschaft  schon  Kronos 
erzeugt  haben  sollte  (61).  Streng  genommen  sind  jedoch  weit  weniger  Gründe 
vorhanden  dem  Eros,  einem  ursprünglich  sehr  selbständigen  Gott,  jene 
zuerst  vielleicht  aus  beflügeltem  Phallen  (62)  entstandne  Beflügelung  beizu- 
legen als  den  mancherlei  anderen  Götter-  oder  Heroenwesen,  deren  dämo- 
nische Kindsgestalt  nur  in  Zusammenhang  mit  sonstigen  Götterdiensten,  cere- 
alischen  oder  auch  aphrodisischen,  in  Jacchos  Triptolemos  Plutos  Adonis 
und  Phaethon(63),  sich  nachweisen  läfst,  und  es  drängt  daher,  die  regel- 
mäfsige  Beflügelung  des  Eros  zu  erklären,  vielmehr  die  Vermuthung  sich 
auf,  als  habe  in  Übereinstimmung  dortigen  Kunstgebrauchs  (64)  dasselbe 
Korinth  ihn  mit  Flügeln  zuerst  ausgestattet,  welches,  wie  wir  gleich  näher 
erweisen,  auch  als  aphrodisischen  Fackelträger  zuerst  ihn  uns  kennen  lehrt. 

Hiemit  sind  wir  denn  auf  einen  Standpunkt  der  Untersuchung  geführt, 
auf  welchem  des  Eros  Verhältnifs  zur  Liebesgöttin  Aphrodite,  richtiger 
als  die  gewöhnliche  Ansicht  es  auffafst,  festgestellt  werden  kann.  In  Wi- 
derspruch mit  dieser  Ansicht  und  mit  dem  ihr  verknüpften  Irrthum  als  seien 


über  den  Gott  Eros. 


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beide  Gottheiten  von  Anfang  an  unzertrennlich  verbunden  gewesen,  fanden 
wir,  dafs  der  älteste  Erosdienst  auch  unabhängig  von  andern  Gottheiten 
bestand , ferner  dafs  unter  den  ihm  nachweislichen  Götterverbindungen 
nächst  Musen  und  Chariten  nicht  sowohl  aphrodisischer  als  vielmehr  cerea- 
lischer  Dienst  sich  kund  gibt,  wonach  denn  mit  Sicherheit  sich  vermuthen 
läfst,  dafs  die  aus  ältester  Kultusform  unbezeugte  Verbindung  des  Eros 
mit  Aphrodite  erst  aus  der  Analogie  dieser  Göttin  mit  der  ihr  so  oft 
gleichgeltenden  cerealischen  Kora(6j)  entstanden  sein  mag.  Somit  wird  es 
begreiflich  wie  noch  bei  Phidias  Eros  als  selbständiger  Gott  Aphro- 
diten bei  ihrer  Geburt  empfingt),  ohne  Zweifel  in  der  erwachsenen 
Bildung(66),  die  auch  als  Tempelgenossen  der  Chariten (^)  und  selbst  der 
Glücksgöttin (c)  ihm  zustehen  mochte,  und  wrenn  Theognis  den  Eros  als 
beglückenden  Frühlingsgast  von  Kypros  her  erwartet (67),  so  ist  diese  zu- 
gleich dem  dortigen  Aphroditedienst  geltende  Hinweisung  vermuthlich  eben 
auch  wieder  als  Gleichstellung  beider  Gottheiten  zu  verstehen.  Dagegen 
verkündete  schon  Parmenides  den  Eros  als  erste  Schöpfung  Aphroditens, 
und  es  ward  Dichterbrauch  die  hohe  Gewalt  der  Liebesgöttin  zuerst  in 
Liebeserregung,  mythisch  ausgedrückt  in  des  Eros  Geburt  durch  Aphro- 
dite, zu  preisen (68),  wonach  dann  bei  Plato  es  feststeht  dafs  Aphrodite 
nicht  ohne  Eros  zu  denken  sei(69),  und  umgekehrt  ein  selbständiger  von 
Aphrodite  ganz  unabhängiger  Eros  aus  dem  späteren  Alterthum,  namentlich 
in  Kultusbeziehungen,  fast  unbezeugt  ist  (70) . 

In  altem  Tempeldienst  scheint  diese  Verbindung  des  Eros  mit 
Aphrodite  nicht  sowohl  spät  erfolgt  zu  sein,  als  vielmehr  der  vereinzelten 
Auffassung  gewisser  Kulte  anzugehören,  durch  deren  Ansehn  beider  Götter 
Gruppirung  bis  zur  Verdunkelung  des  früheren  Verhältnisses  durchdrang. 
Es  geschah  dies  in  Folge  jenes  schon  oben  berührten  Entwickelungsganges 
des  griechischen  Polytheismus,  der  bald  eine  männliche  Gottheit  bald  eine 
weibliche  zur  Hauptgottheit  machte  und  zu  deren  Verherrlichung  mit  sonsti- 
gem Götterpersonal  sie  umgab.  Der  selbständige  Erosdienst,  der  in  Thespiä 
seine  würdigste  Stätte  gefunden  hatte,  liefs  eine  sonstige  Götterumgebung, 
zumal  von  höherer  Geltung,  nicht  leicht  zu,  wie  ja  auch  die  Dienste  des 
Zeus,  Apollo  und  Hermes  zu  einer  Beisitzerin  erst  allmählich  gelangten (7I). 
Während  nun  aber  in  solchen  Erosdiensten  ältester  Art  die  reife  Jünglings- 
gestalt des  thespischen  Gottes  nur  mit  den  spendenden  Mittelspersonen  seiner 

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Gotteskraft,  mit  Tyche  oder  mit  Musen  und  Chariten,  verbunden  erschien, 
zeigt  ein  gleichbenannter  Gott  sich  als  beflügeltes  Kind  im  dämonischen  Dienst 
einer  Göttermutter,  welche,  vermuthlich  aus  asiatischer  Wurzel,  unter  ver- 
schiedner  Benennung  den  Eros  mit  sich  führt.  Eine  solche  Göttermutter 
ist  nicht  nur  wiederum  die  hie  und  da  auch  von  Eros  als  Knaben  begleitete 
Glücksgöttin  Tyche  (72),  sondern  auch  und  hauptsächlich  die  als  Mutter  des 
Eros  von  Oien  besungene,  in  Delos  und  auch  in  Athen  verehrte  Schicksals- 
weberin Ilithyia  (73) , eine  Göttin  welcher  theils  die  von  Cicero  als 
Mutter  des  ältesten  Eros  gekannte  A rtemis  - Hekate  (74),  theils  in  der 
That  auch  Aphro dit e(75)  gleich  kommt,  sofern  deren  delischer(ß),  atti- 
scher^), karischer(c)  Dienst  auch  diese  Göttin  als  uralte  und  von  einem 
Knäblein  begleitete  Schicksals -Göttin  uns  kennen  lehrt.  Nicht  minder 
unzweifelhaft  ist  diese  letztgedachte  Verbindung  Aphroditens  mit  einem 
Knaben  aus  dem  bereits  mehrbesprochenen  samothrakischen  Verein  einer 
mit  Phaethon  gepaarten  und  von  Pothos  begleiteten  Aphrodite  (76),  ein  Verein 
den  man  zunächst  auf  Umgebung  der  Göttin  durch  zwei  gleichartige  Dämo- 
nen (77)  zu  deuten  geneigt  ist,  der  aber  im  Tempelbild  einer  berühmten  drei- 
fachen Herme (78),  der  samothrakischen  Trias  von  Dionysos  Kora  und  Her- 
mes beigeordnet,  als  Verein  Aphroditens  mit  Apollo  und  Eros  sich  kund- 
gibt— , Gottheiten  von  denen  dieser  dem  Pothos  gleichgilt,  Apollo  aber  dem 
Phaethon  so  gut  als  dem  Helios  entspricht  (79),  Apoll  mit  der  kosmischen 
Lyra,  Eros  mit  der  Mysterienfackel  versehen  ist.  Nachweislich  ist  derselbe 
Verein  auch  aus  Münzen  von  Korinth  (80),  auf  denen,  wenn  nicht  in  Zusam- 
menstellung, doch  in  häufiger  Vereinzelung,  Helios  sowohl  als  Aphrodite 
erscheinen,  und  mit  dieser  letzteren  dann  und  wann  auch  ein  Eros  gruppirt 
ist;  nachweislich  aus  Megara  auch  der  ähnliche,  in  welchem  Aphrodite,  von 
drei  Gestalten  des  Eros,  von  Eros  Pothos  und  Himeros,  zugleich  mit  den 
Chariten  umgeben  war(81). 

Jenes  unschätzbare  Tempelbild  einer  gleichgeltenden  oben  und  unten 
vertheilten  samothrakischen  und  korinthischen  Götterdreizahl  gewährt  uns 
zu  weiterem  Verständnifs  unsres  Gegenstandes,  nächst  der  Nachweisung  eines 
fackeltragenden  Eros  im  cerealisch-aphrodisischen  Tempeldienst,  hauptsäch- 
lich die  Gleichsetzung  Aphroditens  mit  Persephone-Kora,  des  Eros  aber  mit 
Hermes.  Begriff  und  Abkunft  des  Eros  ferner  zu  würdigen  sind  diese  Götter- 
verknüpfungen von  erheblicher  Wichtigkeit.  Nachdem  wir  den  Weltschöpfer 


über  den  Gott  Eros. 


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Eros  sowohl  im  hesiodiseh  - orphischen  Gotte  von  Thespiä,  als  auch  im 
Flügelknaben  kennen,  der  bald  ein  Mysteriendämon,  bald  nur  ein  Flatter- 
geist ist,  kann  von  der  Möglichkeit  kaum  noch  die  Rede  sein,  den  seit  Plato 
bezeugten  Unterschied  des  himmlischen  und  des  irdischen,  des  älteren  und 
des  jüngeren  Eros,  auf  zwei  ursprünglich  verschiedne  Gottheiten  zurück- 
zuführen; auch  die  vielleicht  asiatische  (82)  Flügelbildung  des  Eros  kommt 
zum  Behuf  solcher  Trennung  nicht  in  Anschlag,  indem  schon  durch  alte 
Ableitung  dafür  gesorgt  ist,  eine  wie  die  andre  Person  des  Eros  auf  Her- 
mes als  Vater,  auf  Aphrodite  als  Mutter  zurückzuführen.  Cicero 
Lactanz  und  selbst  Kunstdenkmäler  liefern  die  Belege  hiezu  (83),  bei  denen 
vorausgesetzt  werden  darf,  dafs  Aphrodite  in  Bezug  auf  jenen  zweifachen 
Eros  einmal  als  Schöpfungsgöttin  Urania,  das  andremal  als  Alltagsgöttin 
Pandemos,  und  eben  so  Hermes  bald  als  phallischer  Naturgott  bald  als 
listiger  Götterbote  gedacht  ward.  Im  Wechselspiel  sonstiger  Ableitungen 
ist  dies  Verhältnifs  verdunkelt:  statt  Aphrodite -Urania’s  werden  Ilithyia 
Artemis  Hekate  (84),  und  eben  so  statt  des  Maiktgottes  Hermes  Zeus  selbst 
als  allmächtiger  Vater  des  unwiderstehlichen  Liebesgottes  genannt  (85);  nichts- 
destoweniger aber  bleibt  als  Ergebnifs  aller  dieser  Stammsagen  der  unab- 
weisliche  Satz  zurück,  dafs  des  Eros  Natur  hauptsächlich  durch  Hermes 
und  durch  Aphrodite  begründet  ist. 

Was  hiebei  dem  Hermes  betrifft,  so  ist  leicht  zu  erweisen,  dafs  Eros, 
unbeschadet  der  genealogischen  Ausführung,  welche  in  ihm  einen  Sohn  des 
derben  Zeugungsgottes  verwandter  Volksstämme  erkennen  liefs,  eine  dem 
Hermes  durchaus  entsprechende  und  ursprünglich  gleiche  Gottheit  ist.  Zu- 
vörderst sind  beide  Götter  einander  selbst  etymologisch  verwandt(86).  Sie 
fallen  zusammen  im  Inselnamen  Imbros,  der  zugleich  ein  heiliger  Name  des 
Hermes  und  in  der  Nebenform  Hitneros  zugleich  ein  Doppelname  des  Eros 
ist (87) , aber  noch  mehr  im  Begriff,  indem  beide  Gottheiten  dem  Wettkampf 
der  Jugend  in  Leibesübung  und  Saitenspiel  vorstehn,  endlich  auch  in  ge- 
meinsamer Hermenform (88)  und  in  der  beiderseitigen  Herkunft  von  einem 
und  demselben  tyrrhenisch -pelasgischen  Volksstamm,  der  in  Samothrake 
den  Hermesdienst,  in  Parion  aber  und  vielleicht  auch  in  Böotien  den  Dienst 
des  Eros  begründet  hatte (89).  Einer  so  wesentlichen  Übereinstimmung  ging 
allerdings  auch  manche  Verschiedenheit  beider  Gottheiten  zur  Seite,  wie  die 
mannigfaltige  Entwickelung  stammverwandter  Gegenden  allzeit  es  zuliefs: 


10 


Gerhard 


Eros  erschien  als  allgemeiner  Naturtrieb,  Hermes  als  der  zeugungslustige 
Gott,  dessen  derbere  Sinnlichkeit  ihn  demnächst  auch  als  Vater  des  ältesten 
Eros  bezeichnen  liefs,  während  der  jüngste  und  volksmäfsigere  vom  olympi- 
schen Göttervater  mit  Aphrodite  erzeugt  sein  sollte (90). 

Unzertrennlich  geworden  von  Eros  macht  nun  auch  Aphrodite  auf 
unsre  gründlichste  Kenntnifs  ihres  Götterwesens  Anspruch,  wenn  es  uns 
gelingen  soll  den  gemeinhin  so  fest  ihr  verketteten  Eros  hinlänglich  zu  wür- 
digen. Im  Götterverein  des  samothrakischen  dreifachen  Hermenbildes  fan- 
den wir  sie  der  Kora  gleich;  so  sehr  aber  auch  diese  Gleichsetzung,  nament- 
lich aus  Kunstdenkmälern  bezeugt  sein  mag,  in  denen  die  wiedererstandene 
schöne  Cerestochter  alle  Gestalten  und  Reize  der  kyprischen  Göttin  in  sich 
vereinigt(91),  so  wrenig  kann  eine  solche  vielleicht  willkürliche  Ähnlichkeit 
an  und  für  sich  die  ursprüngliche  Verwandtschaft  beider  Göttinnen  beweisen. 
Wohl  aber  ist  auch  die  volle  Begründung  dieses  Verhältnisses  uns  gestattet, 
wenn  wir  Demeter  und  Aphrodite  in  mehr  oder  weniger  offenkundig  ver- 
bundenen Götterdiensten  aus  Samothrake  und  Lemnos,  aus  Korinth  und 
Sikyon,  aus  Argos  und  anderen  Orten  naclwveisen  können (92),  und  wenn 
überdies  auch  der  Umstand  erwogen  wird,  dafs  beide  Göttinnen  seit  frühe- 
ster Zeit  ihren  dämonischen  Lieblingsknaben,  Demeter  ihren  Jacchos,  Aphro- 
dite in  Kypros  ihren  Phaethon  hatte  (93).  Bei  so  alten  und  weitausgedehnten 
Berührungen  cerealischen  und  aphrodisischen  Götterwesens  und  Götter- 
dienstes, wird  nun  auch  die  unteritalische'  Auffassung  verständlicher,  laut 
welcher  Kora,  die  Tochter  Demeters  und  mystische  Gemahlin  des  Dionysos, 
durchgängig  als  eine  vereinigte  Aphrodite-Kora  erscheint,  und  was  den  ihr 
vei’knüpften  Mysteriendämon(94)  betrifft,  so  liegt  es  vollends  am  Tage, 
dafs  diesen  anschaulich  zu  machen  keine  andre  Person  und  Bildung  geeigneter 
war  als  die  für  Demeter  sowohl  als  für  Aphrodite  genehme,  nachgehends 
auch  mit  Dionysos  befreundete  (95),  des  beflügelten  Eros.  Indem  aber  die- 
ser, mehr  oder  weniger  knabenhaft,  im  Bilderkreis  mystischer  Darstellungen 
die  Dionysosgemahlin  sammt  deren  Gemahl  und  sammt  dem  Kreis  der  Bac- 
chanten und  Mysten  umgaukelt,  hat  die  sophistische  Mysterienweisheit,  die 
jenen  Bildern  zu  Grunde  liegt,  ihm  noch  eine  andere  Eigenschaft  beigelegt, 
welche  den  wunderbaren  Mysteriendämon  Eros  dem  ihm  gleichnamigen 
Weltschöpfer  gleichstellt  — , wir  meinen  die  Eigenschaft  mannweiblichen 
Doppelgeschlechts. 


über  den  Gott  Eros. 


11 


Dieser  Hermaphroditismus  des  einfach (96)  oder  auch  mehrfach (97) 
gedachten  mystischen  Eros  ist  aus  orphischer  Auffassung,  des  Eros  und 
Dionysos  sowohl  als  auch  andrer  verwandter  Götterwesen,  zwar  hinlänglich 
bezeugt (98),  in  dem  Umfang  jedoch  und  in  den  cerealisch-bacchischen  Be- 
zügen, welche  jene  Mysterienbildnerei  Unteritaliens  ihm  anweist,  weder 
durch  deren  vermuthliche  Herkunft  aus  attischem  Einflufs ("),  noch  auch 
durch  sonstige  Analogien  griechischer  Kulte  hinlänglich  erklärt.  Im  Allge- 
meinen sind  wir  berechtigt  jenes  durch  orphische  Lehren  viel  verbreitete 
Doppelgeschlecht  einzelner  Götterwesen  auf  Rechnung  der  ausländischen 
Einflüsse  zu  setzen,  welche  von  Asien  her  vermittelst  der  thrakischen  Stämme 
in  Griechenland  nur  allmählich  und  in  geschlossenen  Kreisen  sich  geltend 
machten  (10°),  und  da  in  Griechenland  Attika  der  willfährigste  Mittelpunkt 
solcher  ausländischen  Einwirkung  war,  so  gewinnt  die  an  und  für  sich  nur 
lose  begründete  Verwandtschaft  attischer  und  unteritalischer  Kunst  durch 
jenen  dem  ältesten  Griechenland  fremden  Hermaphroditismus  um  so  eher 
eine  Bestätigung,  je  weniger  wir  ein  sonstiges  unmittelbares  Verhältnis  grie- 
chischer Kulte  zu  irgend  einer  jener  von  Haus  aus  androgynen  Religionen 
in  griechischer  Mitte  anzunehmen  befugt  sind.  Den  hermaphroditischen 
Eros  beti’effend,  so  ist  aufser  seiner  durch  Attribute  bacchischer  und  aphro- 
disischer Geltung  (l01)  augenfälligen  Bedeutung  der  Umstand  besonders 
wichtig,  dafs  jene  derbe  Sinnlichkeit,  in  welcher  die  kyprische  Bartgöttin 
und  ähnliche  Gottheiten  eine  überschwengliche  Naturfülle  anzeigten,  ihm 
durchaus  fern  liegt.  Wohl  vereinbar  mit  der  Idee  wechselnder  Mondes- 
kraft, welche  allen  uns  bekannten  hermaphroditischen  Bildungen  ursprüng- 
lich inwohnt  (102),  ward  zum  Behufe  der  Kultusbilder  bald  die  derbere 
Männlichkeit  syrischer,  sabazischer  und  kyprischer  Idole(103),  bald  die 
weichlichere  Natur  des  phrygischen  Deus  Lunus  oder  Mensis  und  jene  gang- 
barste Hermaphroditenbildung  beliebt,  die  bei  übrigens  weibischem  Körper- 
bau eine  schlaffe  und  unentwickelte  Männlichkeit  zeigt  (104).  Gewifs  würde 
man  Unrecht  thun  dieses  den  Künstlern  willkommene  Naturspiel  lediglich 
auf  Rechnung  einer  verzärtelten  Kunstrichtung  zu  stellen,  da  es  ursprünglich 
vielmehr  bestimmt  war  vom  doppelkräftigen  Erd-  und  Mondgeist  bestehender 
Naturordnung  den  doppelfähigen  stets  in  neuer  Entwickelung  begriffenen 
Weltgeist  zu  unterscheiden,  dessen  geheimnifsvolles  Walten  den  hei’rschen- 
den  Göttern  dämonisch  zur  Seite  steht.  Der  hesiodische  Weltschöpfer  Eros, 


12 


Gebhabd 


welcher  dem  Chaos  zur  Seite  als  erster  Naturtrieb  alle  Zeugung  hervorruft, 
ohne  unmittelbar  und  selbst  zu  zeugen  (105),  ist  in  seiner  ältesten  Bedeutung, 
doppelgeschlechtig  ohne  Zeugungskraft,  hier  fortgeführt:  wie  im  Anbeginn 
der  Dinge  haucht  er,  bevor  die  Zeugung  beginnt,  der  Welt  Odem  ein  und 
entspricht  in  dieser  Bedeutung  offenbar  der  räthselhaften  Stellung,  in  welcher 
das  herrschende  mit  Dionysos  und  Kora  gleichgesetzte  samothrakische  Göt- 
terpaar einer  Urgottheit  des  Weltodems  nachsteht,  welche  als  Eros  im  enge- 
ren Sinn  Axi-Eros,  das  heifst  „Ehren -Eros”,  genannt  und  durch  Gleichsez- 
zung  mit  Demeter  zugleich  für  männlich  und  weiblich  erkannt  ist. 

Wechselnde  Auffassungen  konnten  bei  so  geheimnifsvoller  Bedeu- 
tung und  Bildung  nicht  fehlen.  Die  hermaphroditische  Jünglingsbildung, 
welche  beflügelt  als  Eros  erschien  und  durch  satyreske  Merkmale  zuweilen 
ins  bacchische  Wesen  hinüberspielt (106),  ward  auch  als  bildlicher  Ausdruck 
des  mystischen  Dionysos-Jacchos  passend  befunden  (107) ; daneben  aber  fiel 
diese  Jünglingsbildung  durch  die  bekannte,  in  der  Geburt  aus  dem  Weltei 
auch  orphisch  begründete  Kinds  gestalt  desselben  Gottes  wieder  weg. 
Durch  ein  so  augenfälliges  Wechselspiel  zwei  gleich  bezeugter  Bildungen  des- 
selben Gottes  und  der  ihnen  zu  Grunde  liegenden  Sagen  wird  uns  das  Räthsel 
erklärlich,  wie  die  Urgottheit  Axi-Eros  zugleich  einen  Eros  besagen  und 
eine  Erdgöttin  Demeter  bedeuten  konnte:  entweder  ein  Eros  in  reifer  her- 
maphroditischer  Bildung  ward  jener  Gottheit  entsprechend  befunden  oder, 
wenn  Eros  vielmehr  für  ein  kaum  geborenes  Knäblein  galt,  eine  ihn  tragende 
Urgottheit  höherer  Potenz,  auf  welche  der  Hermaphroditismus  des  ersten 
Weltkeims  nicht  mindere  Anwendung  fand.  Es  wird  uns  ferner  die  Marmor- 
gruppe des  Flügelknaben  verständlich,  den  ein  Hermaphrodit  trägt  (108). 
Dieser  Hermaphrodit  darf  an  die  delische  Mutter  des  Eros  erinnern,  deren 
mit  Aphrodite  wechselnder  Name  Ilithyia  auch  in  der  männlichen  Form 
Ilith  yios(109)  sich  findet;  wahrscheinlicher  aber  ist  Axi-Eros  und  als  Mini- 
strant dieser  Gottheit  ein  Flügelknabe  gemeint,  dieses  um  so  wahrschein- 
licher, da  das  bacchische  Götterpaar,  dem  dieser  huldigt,  die  vollständige 
Vierzahl  samothrakischer  Göttinnen  in  eigenthümlicher  Weise  von  neuem 
uns  vorführen  hilft  (110). 

So  sehr  wir  nun  auch  geneigt  sind  in  jenen  hermaphroditischen  Bil- 
dungen, die  des  Eros  nicht  ausgenommen,  nur  eine  Subtilität  orphischen 
Mysterienwesens  zu  erkennen , so  alt  und  durchgreifend  erscheint  uns  doch 


über  clen  Gott  Eros. 


13 


billigerweise  deren  Geltung,  sobald  wir  zugleich  der  schon  oben  besproche- 
nen Abstammung  des  Eros  von  Hermes  und  Aphrodite  gedenken.  Dieser 
Abstammung  zufolge  ist  Eros  ein  Hermaphrodit  im  eigensten  Sinn  des 
Wortes,  nämlich  ein  aus  Hermes  und  Aphrodite  entstandenes  Wesen : aus 
Hermes,  dessen  Urbild  schlaff  männlichen  Hermen  mit  dem  cerealisch- 
aphrodisischen  Modius  zu  Grunde  liegt,  aus  Aphrodite , deren  Urbild  sich 
in  mannweiblichen  Hermen  mit  Frauenkopf  und  mit  Andeutung  des  Hermes- 
stabs eben  so  wenig  verkennen  läfst  ( 1 1 1 ) . In  beiderlei  Formen  viereckter 
mannweiblicher  Hermenbildung,  und  vollends  in  der  ohne  Zweifel  gleich- 
geltenden weichlichen  Hermaphroditengestalt  der  verfeinerten  Kunst,  findet 
die  Männlichkeit  eben  so  schlaff  und  unentwickelt  gemeinhin  sich  angegeben 
als  in  den  vorgedachten  hermaphroditischen  Bildungen  des  Eros ; aber  ganz 
wie  bei  diesem,  läfst  auch  in  jenen  scheinbar  von  Eros  unabhängigen  Bil- 
dungen die  Idee  des  uranfänglichen  kosmischen  Triebes,  des  ersten  noch 
unentwickelten  Weltodems  und  Weltkeims,  sich  erkennen.  Im  Sinn  eines 
solchen  ersten  Weltschöpfers,  der  im  Zeitalter  spekulativer  und  mystischer 
Religionsmischung  gern  hervorgesucht  wurde  um  neben  den  anerkannten 
volksmäfsigen  Göttern  besondrer  Verehrung,  sei  es  aus  religiösem  Tiefsinn 
oder  dem  sinnlichen  Reiz  seines  Doppelgeschlechtes  zu  Liebe,  theilhaftig  zu 
werden,  ist  nun  allem  Anscheine  nach,  dem  hesiodischen  Eros  sowohl  als 
dem  orphischen  Phanes  gleichgeltend,  ein  eigner  Gott  Hermaphrodit 
verehrt  worden,  für  dessen  hie  und  da  geübten  Kultus  schriftliche  sowohl 
als  monumentale  Zeugnisse  hinreichend  vorhanden  sind(112). 

Bei  solcher  Geltung  des  hermaphroditischen  Eros  und  bei  dem  Bezug 
auf  nächtliche  und  Unterweltsmächte,  den  war  schon  oben  für  Eros  als 
Fackelträger  in  Anspruch  nahmen,  ist  die  gewöhnliche  Annahme  von  My- 
sterien des  Eros  keineswegs  ungereimt ; dennoch  glauben  wir,  wie  schon 
von  Andern  geschehn,  diese  Annahme  (113)  ablehnen  zu  müssen,  indem  für 
uns  zu  dem  Mangel  entscheidender  Zeugnisse  noch  die  Erwägung  hinzutritt, 
dafs  die  so  lebensfrische  als  selbständige  Natur  des  thespischen  Dienstes 
eine  dem  Eros  bei-  und  untergeordnete  Mehrzahl  chthonischer  und  dämoni- 
scher Mächte  nach  der  Art  sonstiger  Mysterienvereine  (1U)  keineswegs  wahr- 
scheinlich macht.  Um  so  weniger  aber  ist  daran  zu  zweifeln,  dafs  Eros  im 
Kreise  sonstiger  Mysterien , zu  denen  er  als  ein  ursprünglich  fremder  Gott 
in  ähnlicher  Weise  wie  Dionysos,  Hermes  und  Herakles  herangezogen  war, 

C 


14 


Gekhaed 


eine  bedeutende  Stelle  einnahm:  seine  Verherrlichung  im  cerealischen  Sän- 
gergeschlecht der  Lykomiden  spricht  dafür  eben  so  unverkennbar  als  seine 
Stellung  in  den  cerealisch -bacchischen  Mysterien  Unteritaliens  und  als  seine 
mehrfach  bezeugte  Verehrung  in  Hauptsitzen  cerealischen  Dienstes.  Als 
leuchtender,  läuternd  uud  schöpferisch  wirkender  Dämon  solcher  gefeiert- 
ster Mysterien  war  dieser  dem  eleusinisehen  Jacchos  ganz  entsprechende 
Eros  für  Religion,  Poesie  und  Kunst  gewifs  nicht  minder  erfolgreich,  als 
wenn  er  in  Thespiä  Haupt-  und  Mittelpunkt  eines  selbständigen  Myslerien- 
kreises  gebildet  hätte:  dafs  dem  so  sei,  läfst  zum  Schlufs  unsrer  Darstellung 
aus  mehreren  mythischen  Personen,  denen  Bild  und  Idee  des  Eros  zu 
Grunde  liegt,  noch  jetzt  sich  erweisen. 

Um  diese  Nachweisung  mythischer  aus  dem  Gott  Eros  ent- 
standener Wesen  zum  Schlufs  dieser  Abhandlung  mit  einiger  Gründlich- 
keit zu  führen,  vergegenwärtigen  wir  uns  nochmals  die  tiefsinnige  Auffassung 
des  thespischen  Gottes,  der  aller  täglichen  Ausübung  seines  von  Kämpfern 
und  Sängern  gepriesenen  Schutzes  ungeachtet  von  Sängern  verwandten  Stam- 
mes, wie  Hesiod  und  wie  auch  die  Orphiker  es  waren,  als  erster  Weltordner 
und  uranfänglicher  Weltgeist  gefeiert  wurde.  Dieser  Weltgeist,  älter  als 
die  platonische  Scheidung  doppelter  Menschengebilde  durch  Zeus  ( 115 ), 
offenbart  sich  als  Hermaphrodit,  theils  in  der  samothrakischen  die  Idee  von 
Demeter  und  Eros  verknüpfenden  Gottheit  Axieros , theils  im  cerealisch- 
bacchischen  Mysteriendämon.  Wie  dieser  Eros  in  seiner  mannweiblichen 
Auffassung  ein  Urbild  physischer  Fortpflanzung  ist,  erscheint  er,  die  Fackel 
der  Mysterien  tragend,  zugleich  als  Führer  und  Vorbild  allen  geistigen  Men- 
schenlebens, bald  mit  erhobener  Flamme  in  belebender  und  seelenläutern- 
der Geltung,  bald  auch  bei  umgekehrter  Fackel  als  ein  Verkündiger  des 
erlöschenden  Lebens.  Verschiedene  Kunstgestalten  sind  in  diesem  Zusam- 
menhang leicht  verständlich,  zumal  wenn  die  nahe  gelegte  Freiheit  voraus- 
gesetzt werden  darf  die  geflügelte  Knabengestalt  Eros  des  Gottes  auf  jedes 
der  sterblichen  Individuen  überzutragen  deren  Vorbild  er  war.  So  steht 
zuvörderst  Eros,  dem  heiteren  Lebens-  und  Liebesgott,  sein  Doppelgänger 
Anteros , Aphroditens  von  Ares  erzeugter  Sohn,  ein  Dämon  wetteifernder 
gekränkter  Liebe  entgegen  (n6),  und  als  ergänzendes  Gegenbild  des  seelen- 
läuternden, der  Seele  Sinnbild  den  Schmetterling  brennenden,  Gottes  er- 
wuchs in  der  schmetterlingsähnlich  beflügelten  Psyche (11?)  ein  Urbild  aller 


I 


über  den  Gott  Eros. 


15 


vorn  Eros  zu  höherem  Leben  berufener  Seelen,  wie  Eros  selbst  für  die 
menschlichen  Geister  ein  in  den  Genien  menschlicher  Thätigkeiten(118)  öfters 
nachweisliches  Urbild  ward.  Gleich  jenen  Lebensdämonen  sind  aber  auch 
die  dämonischen  Gestalten  erlöschenden  Lebens  nur  als  Ausflüsse  der  Ge- 
sammtidee  zu  betrachten,  nach  welcher  Eros  gleich  dem  ihm  durchgängig 
ähnlichen  Hermes  sowohl  ein  Todes-  als  Lebensgott  ist.  In  solcher  Geltung 
als  Grabesdämon  mit  umgekehrter  Fackel  findet  er  sich  mit  der  sitzenden 
Gräbervenus  und  einem  Bacchusidol  gruppirt  (119)  und  dient  den  zahl- 
reichen Bildern  zum  Prototyp,  in  denen  bei  gleichem  Fackelattribut  der 
Genius  oder  Dämon  des  Todten  von  dem  des  Todes,  der  Flügelknabe 
mit  der  gesenkten  Fackel  vom  ungeflügelten  Todesgeber  (12°)  sich  unter- 
scheidet-, dieser  vielzähligen  Ausdehnung  aber  des  beflügelten  Weltgeistes 
Eros  zur  unermefslichen  Schaar  menschlicher  Genien  steht  in  Begriff  und 
Gestalt  völlig  entsprechend  auch  die  von  Eros  gequälte  Psyche  in  tausend- 
fältigen der  Weltseele  ihrem  Urbild  entflossenen  Menschenseelen  gegenüber. 
Wenn  bei  neulicher  Sichtung  dieser  allegorisch -mythischen  Gestalten  die 
Ansicht  hervortrat,  als  sei  Psyche  dem  Amor  nur  wegen  der  Seelenläuterung 
verbunden,  die  er  durch  seine  Fackel  vollbringt  (121) , so  hatte  man,  von 
allzuenger  Auffassung  des  Mythos  ausgegangen,  allzuwenig  den  tödtlichen 
Einflufs  erwogen , den  diese  im  Dienste  der  Unterweltsmächte  von  Eros 
erhobene  Fackel  selbst  in  der  allbekannten  Gestalt  des  Genius  mit  der  ge- 
senkten Fackel  ausübt.  War  im  Ideenkreis,  wenn  nicht  thespischer  doch 
sonstiger,  namentlich  samothrakischer  zu  Korinth  oder  anderwärts  geübter 
(122),  Mysterien  die  im  Mythos  von  Eros  und  Psyche  verkörperte  Seelen- 
läuterung überhaupt  ein  Gegenstand  des  Nachdenkens  geworden,  so  konnte 
man  auch  nicht  umhin,  nächst  dem  irdischen  Spiel  liebesseliger  Seelenpein, 
Eros  des  leuchtenden  Lebens-  und  Liebesgottes  Verhältnifs  zur  leidenden 
Psyche,  dem  jenseits  gerichteten  Sinn  aller  Mysterien  gemäfs,  bis  in  die 
dunkleren  Pfade  des  fackelsenkenden  Eros  zu  verfolgen. 


G 2 


16 


Gerhard 


Anmerkungen. 

ö 

(1)  Bisheriges  über  den  Eros:  hauptsächlich  Manso’s  Mythologische  Versuche  S.  309  ff. 
Creuzer  Symbolik  III,  284.  IV,  161  ff.  N.  A.  Fiedler  Mythol.  S.  251  ff.  Müller  Handb. 
d.  Archäol.  §.  378.  391.  Eckermann  Mythol.  II  S.  2 f.  121  f. 

(2)  PLATO  Symp.  19715:  ’T] pung  ev  eoproug,  ev  y^opoig,  ev  ßvtrlaug  7:71 >ouEvog  Yiye/ULulv,  — Xa.pl- 

TUJV,  '\fXSpO\l,  IlcBoV  rtCtTYip. 

(3)  SOPHOKLES  Antig.  782:  ^Epouc;  dvlxare  iulcc^civ,  og  EV  x,T-siy.ot,<n  nlnreig , og  ev  y.aXaxtug 

na. pEioug  vsdvidog  kvvvy^suEig  • (poira.g  vnepno'vnog  ev  t dypovoyoig  ccvkoug,  aal  er  ovr  d.ßa.vd.rujv  tpvj'ty.og 

ovdelg , ovß’  djxEplviv  kn  dvßpuunwv.  Sonstige  Dichterstellen  gibt  Athenaeus  XIII,  11.  Vgl. 

Eurip.  Hipp.  523  ff. 

(4)  Eros  vielzählig:  in  den  als  Eroten  oder  mifsbräuchlich  (vgl.  Anm.  118)  als 
Genien  bekannten  Flügelknaben,  welche  jedoch  als  Aphroditens  oder  der  Nymphen  Kinder 
(Philostr.  Imag.  1,  6.  Claudian.  Honor.  96.  Engel  Kypros  II,  406.  Campana  Op.  plast. 
p.  66  s.)  vom  Eros  altgriechischer  Auffassung  durchaus  verschieden  sind.  Beispiele  bei  Manso 
Mythol.  Versuche  S.  349  ff.  Clarac  Musee  pl.  641-651.  Müller  Handb.  391,2.5. 

(5)  Doppel -Eros.  Einen  ältesten  und  jüngsten  Eros  unterscheidet  Cicero  (Anm.  83); 

durchgreifender  und  bekannter  ist  die  Platonische  Unterscheidung  eines  himmlischen  und 
irdischen  Eros,  Uranios  und  Pan  de  mos  (Anm.  8);  beschränkter  und  der  ethischen  Be- 
griffsanalyse gehörig  der  im  Gebiet  der  Palästra  erwachsene  von  Eros  und  Anteros  (Anm. 
116).  Gepaart  werden  auch  Eros  und  Himeros  bei  Aphroditens  Geburt  (Hesiod.  Theog. 
201);  für  Eros  und  Pothos  (Anm.  8)  giebt  es  ähnliche  Verbindungen,  dazu  noch  die 
mehr  willkürlichen  Unterscheidungen  keuscher  und  unkeuscher  (Phädrareliefs:  Gerhard 
Bildw.  XXI.  Vgl.  Prodr.  S.  229,  3),  beglückender  und  verderblicher  (Doppelgeschofs:  Eurip. 
Iphig.  A.  538)  Liebe.  Diese  so  mannigfach  bezeugte  und  verstandene  Doppelheit  des  Eros 

macht  denn  auch  die  Erscheinung  eines  Erotenpaars,  statt  eines  einzigen  Eros,  neben 

Aphrodite  sowohl  (Anm.  77)  und  in  tändelnden  Liebesgruppen,  als  auch  im  Mysteriendienst 
(Anm.  97)  und  neben  bacchischen  Wesen  (Gerhard  Etrusk.  Spiegel  1,  85.  Impr.  d.  Inst. 
II,  52-55),  aber  auch  neben  der  Stadtgöttin  Tyche  (Anm.  72  nach  Aristoph.  Av.  1315) 
durchaus  begreiflich. 

(6)  Dreifach,  etwa  über  drei  Regionen  herrschend,  wie  Zeus  und  Hermes,  ist  seiner 
berühmten  Macht  über  Erde,  Wasser  und  Naturwelt  gemäfs  auch  Eros  zu  verstehen,  sofern 
ein  dreifacher  ”Epikog  mit  Welcker  Tril.  S.  241  vorauszusetzen,  und  etwa  durch  den  prä- 
nestinischen  dreifach  beseelten  Herilus  (Serv.  zu  Virg.  Aen.  III,  564)  zu  unterstützen  wäre. 
Einen  dreifachen  Eros  in  anderem  Sinne,  nämlich  einen  ägyptischen  Eros-Helios  zum  Dop- 
peleros Uranios  und  Pandemos  gefügt,  nennt  Plutarch  Erot.  p.  764. 

(7)  Eros,  Pothos  und  Himeros,  drei  einem  und  demselben  Begriff  der  Liebeslockung 
mit  einiger  Steigerung  (Prodr.  108,  199)  angehörige  VVesen  — ei  S'iaipopd  ettl  xa.Toi  ratira 
Toig  ovö/j.a<ji  xul  rd  epya,  cnpltn,  sagt  bedenklich  Pausanias  I,  43,  6 — denen  als  Hochzeitsgötter 
etwa  die  mit  Tyche  gepaarten  ''Epuureg  yEvsßhoi  (Phot.  Bibi.  II  p.  367.  Vgl.  Gerhard 


über  den  Gott  Eros. 


17 


Etrusk.  Spiegel  I,  52,  1)  sich  vergleichen  lassen,  waren  nebst  den  Chariten  Peitho  und 
Paregoros  durch  Skopas  und  Praxiteles  dem  alten  Tempelbild  Aphroditens  zu  Megara  bei- 
gesellt. Vergl.  Prodromus  mythol.  Kunsterkl.  S.  230,  8.  Müller  Handb.  391,  7.  — Im 
wechselnden  Sprach-  und  Kunstgebrauch  finden  Pothos  sowohl  (Panofka  T.  C.  S.  92)  als 
H iineros  (Vase  Santangelo:  Rochette  P.  de  Pompeji  p.  37,  1)  dann  und  wann  in  selbständiger 
Stellvertretung  des  Eros  sich  vor,  wie  auch  Ilodoi  und  ''Epwzeg  (Anth.  Pal.  IX,  570  u.y't'kyM 
Ilofluiv.  Vgl.  ’( EpujTSi ; xotl  Ho9og  IX,  324)  gleichgalten.  Pothos  ist  als  samolhrakischer  Name 
des  Eros  von  Plinius  bezeugt  (Anm.  76)  und  auch  im  attischen  Gebet  wird  Pothos  neben 
Aphrodite  zugleich  mit  Hermes,  Horen  und  Chariten  angerufen  (Aristoph.  Pac.  455.  Vgl. 
Pothos  als  doppelsinnige  Blume  Athen.  XV,  679 D.  Panofka  Ann.  d.  Inst.  II,  346  s.). 

(8)  Uranios  UND  Pandemos.  Dieser  hauptsächlich  durch  Plato  (Symp.  180Z))  für  Eros 
wie  für  Aphrodite  begründete  Gegensatz  himmlischer  und  irdischer  Wirksamkeit  ist  für  Eros 
sonst  wenig  bezeugt.  Nur  in  vereinzelter  Darstellung  ist  Eros -Uranios,  durch  Inschrift  so  be- 
nannt, im  flötenden  Flügelknaben  eines  griechischen  Reliefs  (Maffei  Mus.  Veron.  XLVII,  5.  Vgl. 
Prodr.  S.  238,  9)  nachweislich;  mit  geringerer  Sicherheit  ist  dieselbe  Benennung  dem  Flü- 
gelknaben mit  Palme  eines  anderen  Reliefs  (Anm.  70)  beizulegen,  und  nicht  ohne  Willkür 
ist  sie  einem  bewaffneten  Flügeljüngling  mit  Kranz,  der  eher  Agon  heifsen  dürfte,  von 
Panofka  (T.  C.  xxx),  sowie  einem  ähnlichen  Jüngling  auf  Blumenwerk  von  Campana  (Op. 
plast.  XIV  p.  62)  zugewandt  worden.  Nichtsdestoweniger  scheint  hie  und  da,  namentlich 
auf  Gemmenbildern  (Taf.  I,  6.  17  mit  Anm.)  eine  Unterscheidung  des  Eros-Uranios  vom 
Pandemos  nachweislich  zu  sein. 

(9)  Poros  UND  Penia,  des  Eros  am  Götterfeste  von  Aphroditens  Geburt  vereinigte 
Eltern  nach  Plato  Symp.  203  B.  (Vgl.  Intpp.  Max.  Tyr.  X,  4.  p.  172  s.).  Eine  Kunstdarstel- 
lung dieses  allegorischen  Mythos  glaubte  Panofka  im  scherzhaften  Thongebilde  eines  Eros 
zu  erkennen,  der  einen  kleineren  Flügelknaben  in  einem  Wägelchen  nach  sich  zieht;  doch 
dürfte  dasselbe  eher  der  Verbindung  von  Eros  und  Agon  entsprechen.  Vgl.  Arch.  Zei- 
tung VII.  (Denkm.  und  Forschungen  1849)  Taf.  II. 

(10)  Weltschöpfer  ist  Eros  laut  Hesiod  Theog.  116  ff.  sammt  Chaos  und  Gaea, 
eine  Ansicht  mit  welcher  die  orphische  Kosmogonie  (Phanes:  Clem.  Strom,  b/2.  Lobeck 
Agl.  1,  473  ff.  494  ff.  Brandis  Gesch.  d.  Philosoph.  1,  61)  übereinstimmt. 

(11)  BÖOTISCHER  Poesie  gehört  Hesiods  Lobpreisung:  ^Epog  og  xdXkiTTog  (Dio  Chrys. 

III,  p.  99)  sv  ciSavdTsicri  ßeoici,  kv  crtusXyg,  rrdiTuiv  re  äeuuv  ndvTwv  t dvßpwmuv  • o'duvccrai  sv  <JTtr 
flecor  voov  x»\  enlippovu.  ßovX^v.  Wie  hier  dem  Eros,  dessen  Hauptsitz  Thespiä  nahe  bei  Askrä 
lag,  gilt  einer  andern  böotischen  Göttin,  der  Hekate,  die  bekannte  längere  Verherrlichung 
in  demselben  Gedicht  (Theog.  411  ff). 

(12)  Rein  HELLENISCH  ist  Eros  nach  ausdrücklichem  Zeugnifs  des  Plutarch  (Erot.  12 
p.  756):  ov  r'/oip  v\jv  a.lre'i  npwTov  ßujpiov  o’'Epaig  xv.\  dv<r[tx.v,  ovS’’  enri'kvt;  ex  Tivog  ßxpßaptxvjg  $sttn8ou- 
jAOv'ictg,  ujunsp  ''Attöu  Tivsg  xa,  1 ’A^ujraToi  Xsyoy.svoi  o't  dvöpoyyvaiv  xou  yvvcuxüiv  . . . Vgl.  Engel, 
Kypros  II,  400. 

(13)  Thespiae.  Vom  dortigen  Erosdienst  sagt  Pausanias  (IX,  27,  1):  ©scuV  S'e  01  (detrmitg 
TiywiTiv  ^EptuTct  fj.cCki(TTa.  apyj/jg'  xai  G-tptmv  dyal.y.cc  no.}.ouora.Tdv  sutiv  dpyog  ’kiSog  d.  h.  ein 

roher  Stein  (vgl.  ebd.  1,28,5.  37,4.  VII,  22,  3.  Müller  Handb.  66,1);  nicht  aber,  wie 
Schwenck  (Gr.  Myth.  S.  268)  versteht,  ein  weifser.  Eben  daher,  jedoch  nicht  als  Kultus- 
bild, ist  die  Statue  des  Praxiteles  (Anm.  20)  berühmt. 


18 


Gerhard 


(14)  PARION.  Nach  Erwähnung  des  ihespischen  Dienstes  fährt  Pausanias  (IX,  27,  i) 
fort:  cre'ßovTou  ovSev  ti  vjtrirov  ko.  1 'EXX^arrovriout'  Tlxpixvol.  Die  Stadt  war  von  Jasion  ge- 
gründet und  auch  von  tyrrhenischen  Pelasgern  bewohnt  (Müller  Orchom.  S.  460.  Vgl. 
unten  Anm.  29). 

(15)  Piiallische  Form  des  thespischen  Steines  wird  nach  Creuzers  Vorgang  (Symb. 
IV,  193.  Vgl.  Inghir.  Vasi  fittili  III  p.  73.  Fiedler  Mythol.  S.  255.  Engel  Kypros  II,  463) 
gemeinhin  vorausgesetzt;  fast  mit  gröfserem  Fug  hätte  man  Pyramidalform  vermuthen  können, 
wie  sie  neben  Ilithyia  dem  Apollo  Karinos  (Paus.  I,  44,  3)  bezeugt  ist,  oder  auch,  wie  beim 
Orestesstein  des  Zeus  KxnmxjTxg  (Paus.  III,  22,  1)  und  beim  eleusinischen  Silensstein  (ebd. 

I,  23,  6),  eine  zum  Sitzen  geeignete  breitere  Form. 

16)  Den  Eros  PHALLISCH  zu  denken,  ist  in  Denkmälern,  zumal  alter  Zeit,  keine  volle 
Berechtigung  vorhanden;  eher  dagegen  als  dafür  ist  der  Begriff  frühester  Naturerregung, 
den  Eros,  wie  weiter  unten  (Anm.  96  ff.)  gezeigt  wird,  vielmehr  mannweiblich  ausdrückt. 
Wie  aber  der  in  solcher  Geltung  ihm  gleiche  (Anm.  38)  orphische  Protogonos  selbst  dem 
Priapos  (Orph.  II.  VI,  9)  gleich  gilt,  liegt  auch  jenem  Urwesen  Eros  die  Zeugung,  die  er 
hervorruft,  nicht  ganz  fern.  Demnach  erscheint  er  in  Künstlerscherzen  (Taf.  I,  4.  5)  dann 
und  wann  mit  Andeutungen  derber  Männlichkeit,  und  steht  sowohl  mit  Priapos,  einem  gleich 
Eros  zu  Parion  berühmten  Gotte  (Anm.  29),  als  auch  mit  andren  phallischen  (Winck.  Stosch. 

II,  816.  817.  Prodr.  S.  239,  20.  Bild  aus  Pompeji)  Göttern  in  einer  besonders  durch  Grabes- 
bezüge erklärlichen  und  nicht  blos  für  accessorisch  (Jahn  Beitr.  S.  148  f.)  zu  erachtenden 
Verbindung.  Auch  darf  hier  weder  des  Eros  Verwandtschaft  mit  dem  phallischen  Hermes 
(Anm.  85  ff.),  noch  auch  der  eigenthümliche  phallische  Kult  verschwiegen  werden,  mit  wel- 
cher der  dem  Eros  gleichgeltende  orphische  Phanes  als  ^aioyo'vog  gedacht  wird,  nämlich 
alS'oiov  öniTw  nep\  rijv  nyy/,v  (Nonn.  ad  Greg.  Naz.  bei  Gesner  zu  Orph.  p.  261),  wofür 
es  an  Belegen  monumentaler  Mystik  eben  auch  nicht  fehlt  (Zoega  Bass.  II,  80  not.  3.  Ger- 
hard Etrusk.  Spiegel  I,  13,  10.  S.  41,  45). 

(17)  IjESAMER  IST  Eros  laut  Theognis  1289  (1275):  ‘Qpcuog  xxi''Epwg  sniTEMETou,  -zivlx«, 
irep  "/vj  ovöetnv  slxptvcng  äxXXsi  dU^o /ulevyi.  ryjjuog  ’'Epwg  npoXinuuv  K vnpov  nspiKoWea.  vSjiroi'  einv  eri 
dvöpiunovg  crnepfxx  tpspuiv  kxtcH  yvjg.  Verwandt  ist  die  Vorstellung,  dafs  Kypris  am  strömen- 
den Kephissos  mit  Lufthauch  und  Blumen  auch  die  Eroten  nach  Attika  bringe  (Eurip.  Med. 
827  ff.),  vielleicht  auch  der  Gedanke  eines  in  Blumenkelchen  verborgenen  — svciutv  iv  xxXv- 
ke<t<ti  poßixiv  Plat.  Epigr.  29  — oder  in  Art  des  Weltschöpfers  (Anm.  35)  aus  Knospen  er- 
stehenden Eros.  Aber  auch  als  befruchtenden  Heerdengott  kennt  ihn  Sophokles  (Antig. 
783:  "Epwg  og  ev  ktyi/j-xcl  mmEig)  und  kannten  ihn  kleinasiatische  Gegenden:  aufser  Parion 
auch  Tenedos,  wo  er  mit  apollinisch-bacchischen  Bezügen  (Klausen  Aen.  I,  78),  Abydos,  wo 
er  zu  Rofs  in  Bezug  auf  Pferdezucht  Aphroditen  gegenüber  (ebd.  I,  80  f.  Mionnel  V,  41), 
auch  wohl  Kios  und  Nikaea,  wenn  er  dem  Quelldämon  Hylas  vergleichbar  auf  des  Herakles 
Schulter  erscheint  (Klausen  I,  106.  132.  Vgl.  142);  ganz  wie  Hermes  kann  er  in  solchem 
Zusammenhang  immerhin  auch  als  Regengott  (Forchh.  Hell.  I,  316)  gelten. 

(18)  Fünfjähriger  Festcyclus:  der  Sitte  Olympia’s,  Brauron’s  (Müller  Dor.  1,  384) 
und  andrer  berühmter  Feste  (Hermann  gottesd.  Alterth.  §.  49,  11.  12)  gemäfs.  Plutarch 
Erot.  748:  oiyavtri  ya.p  otyuuVo.  7tevraETYipiKov , o'unEp  kcli  reu?  MovVai;  hou  tuj  ’'EpwTi. 

(19)  Die  Schlange  ist  kein  bekanntes  Symbol  des  Eros;  doch  finden  sich  spätere 
Bilder  des  Gottes  im  Spiel  mit  der  Schlange  mystischer  Cisten  (Relief  zu  Florenz).  Vgl. 


über  den  Gott  Eros. 


19 


die  Gemmenbilder  unsrer  Taf.  I,  6.  7 und  Impr.  d.  Inst.  II,  32.  Auf  einer  Knepbscblange  stebt 
der  Eros  der  Gnostiker  (Taf.  I,  16). 

(20)  Der  THESPISCHE  Eros  des  Praxiteles  (Müller  Hdb.  127,  3),  in  reizendster  Jugend- 
blüthe  (Anm.  52.  Lueian  Amor.  11.  17)  und  mit  schlaffem  Bogen  (Athen.  XIII.  591  A)  zu 
denken,  wird  mit  Wahrscheinlichkeit  im  Vatikanischen  Amor  (Pio-Clem.  I,  12.  Beschr.  Roms 
I,  288)  wieder  erkannt.  Obwohl  der  Stolz  Thespiä’s  ( Ule  propter  quem  Thespiae  vise- 
barxtur  sagt  Plin.  XXXVI,  5,  4),  durch  Kunstentführungen  berühmt  (Paus.  IX,  27,  3.  Sillig 
Catal.  p.  385  ff.)  und  in  Thespiä  durch  eine  Nachbildung  des  Menodoros  ersetzt  (Paus.  IX, 
27,  3),  war  er  doch  nicht  ursprünglich  dem  thespischen  Tempel  bestimmt,  sondern  gelangte 
dahin  bekanntlich  erst  als  Geschenk  Phrynens  (Paus.  I,  20,  1),  nachdem  er,  wenn  Athenaeus 
(VIII,  591  A)  nicht  irrt,  vorher  im  Theater  zu  Athen  aufgestellt  war.  Von  sonstigen  Eros- 
statuen bester  Zeit  ist  eine  des  Phidias  durch  Wortspiel  Phrynens  (Athen.  XIII,  585  f.), 
aufserdem  die  mit  den  Parthenons -Marmoren  nach  England  gekommene  (Müller  Denkm. 
I,  145)  bekannt,  die  wol  der  lysippischen  Zeit  angehört. 

(21)  Reine  Strömung.  Paus.  III,  26,  3:  xxl  "Epturog  ea-rtv  ev  Aevxrpoig  vxog  xxi  xXtrog’ 
v^uup  <1'e  wpa  yjeip.wvag  Stappsi  ro  xkirog  • tx  <3s  (pvXXx  Tu i rjpi  xno  rSjv  $dv$pi»v  mnTOVTX  ovx  xv  vno  to\j 
■udxTog  ßd<5s  nkeovxirxvTog  nxpeveyße ivj. 

(22)  Narkissos.  Paus.  IX,  31,  6:  ©simeW  Se  ev  rvj  yvj  . . . irrt  Notpximrou  xxl  roV 
NapxKTTOv  l&siv  eg  tovto  to  vä'wp  (px<rlv  . . . 

(23)  Musen  und  Eros,  in  Thespiä  durch  gemeinsamen  Festkampf  (Anm.  46)  verehrt, 

laut  Plutarch  (Anm.  18)  und  Paus.  IX,  31,  3:  xyviivx  älyovri  Moiumiz,  x^ov ot  M xxl  ruf 
”Epu)Ti.  xppuQpjLog  eXÖvjs , ruft  Euripides  Hipp.  529  auch  zum  Eros  Pandemos;  txi 

MoT<rou  tov  "Epuirx  tov  xypiov  od  ipoßeovrxi,  sagt  Bion  IV,  1. 

(24)  Thespiae,  von  Secrni^eiv  weissagen  (ße<rmg  xotSog),  ein  Ort  der  Gölterstimme. 

(25)  Mit  den  CHARITEN,  deren  böotischer  Dienst  aus  Orchomenos  (Pind.  Ol.  XIV,  1. 
Paus.  IX,  35,  1)  berühmt  ist,  war  Eros  in  deren  Tempel  zu  Elis  zusammengestellt  (Paus. 
VI,  24,  5). 

(26)  Als  CIITHONISCHER  Gott  schlechthin  aufgefafst,  ist  Eros  schwerlich  nachzuweisen; 
doch  wird  der  Begriff  eines  Cupido  inferus,  der  Lebensführung  entsprechend  mit  der  seine 
Fackel  den  Menschen  bis  ans  Ende  begleitet,  am  Schlufs  dieser  Abhandlung  und  zu  unsrer 
Tafel  V.  sich  erörtern  lassen.  Einen  schönen  Gegensatz  zur  Veranschaulichung  desselben 
Begriffs  gewährt  auch  der  aus  Blumenwerk  — bald  der  anfänglichen  Schöpfung,  bald  auch 
der  Grabespflanzen  (Taf.  I,  15)  — aufsteigende  Flügelknabe. 

(27)  Eros  zu  Lebadea.  Die  Annahme  als  sei  Bxa-lXeix  nicht  blos  der  bekannte  auf 
Zeus  Basileus  bezügliche  Name  lebadeischer  Trophoniosfeste,  sondern  als  ’Epuuriot  ßxtrlXeix 
auch  Name  des  thespischen  Erosfestes  gewesen  ( Creuzer  Symb.  IV,  163  N.  A.)  beruht 
lediglich  auf  einer  Dittographie  im  Lexikon  des  Philemon  (v.  Av'xei x x6\x ),  die  nach  den 
Pindarischen  Scholien  (VII,  153)  bereits  von  Cesare  Luechesini  und  in  Osanns  Ausgabe 
jenes  Grammatikers  p.  72  berichtigt  worden  ist.  Es  heifst  dort:  ev  jx-v  ®s<rmx Tg  ’Epwnx 
[BoKnksuz],  ev  <5e  Aeß xdelx  xxXovpevx  BxriXeix  xxl  Tpocpwvix. 

(28)  Chtiionisches  aus  Thespiä.  Nach  Paus.  IX,  26,  5 waren  Zeus  Saotes,  ferner 
zwischen  Tyche  und  Hygiea  gestellt  Dionysos,  sodann  Athene  Ergane  Hauptgottheiten  von 
Thespiä.  Der  neben  letzterer  stehende  Plutos  mochte  ein  dem  Eros  identisches  Knäblein  sein. 
Auch  Aphroditedienst  ist  aus  Thespiä  bezeugt  (Anm.  54.  Paus.  IX,  27,  4),  aufserdem  Artemis- 


20 


Gebhard 


(Eckhel  D.  N.  II,  205:  Frauenköpfe  mit  Mondsichel)  oder  Demeterdienst  (dieselben  Köpfe 
verschleiert)  aus  thespischen  Münzen  wahrscheinlich.  Zur  Annahme  jedoch  von  attischen 
Thesmophorien,  mit  denen  Creuzer  (Ileidelb.  Jahrb.  1817  no.  51.  Vgl.  Müller  ürchom.  S.  236) 
die  Narkissossage  verband,  fehlt  es  an  hinlänglichem  Zeugnifs. 

(29)  Ciitiionisciies  AUS  Parion.  Die  Stadt  Parion  im  Hellespont,  von  Erythrä, 
Milet  und  Paros  aus  (Strabo  XIII,  588.  Paus.  X,  27,  1.  Klausen  Aen.  I,  237)  nicht  ohne 
tyrrhenische  (Müller  Orchomenos  S.  443)  Volkselemente  gegründet,  ward  ihres  Erosdienstes 
wegen  schon  oben  (Anm.  14)  erwähnt.  Cerealische  und  verwandte  Andeutungen,  durch 
den  Kultus  von  Paros  (Klausen  I,  333  ff.)  und  jene  tyrrhenische  Abstammung  (Müller  Orch. 
S.  443)  erklärlich,  geben  die  Münzen  (Klaus.  1,91,230),  womit  die  Gründung  der  Stadt 
durch  einen  Sohn  Jasions  (Steph.  v.  Hctptov.  Müller  Orch.  460)  stimmt,  und  wonach  eine 
Mutter-  und  Kindschaft  von  Demeter  und  Eros  (Rückert  Troja  S.  77)  immerhin  denkbar 
wäre;  auf  Aphrodisisches  deutet  der  dem  Städtenamen  ähnliche  und  mit  diesem  verknüpfte 
(Rückert  ebd.  S.  81)  Name  des  troischen  Paris.  Sonst  wird,  mit  der  reichen  Viehzucht  dortiger 
Gegend  übereinstimmend,  apollinischer  (Klausen  Aen.  I,  142)  und  auch  Priaposdienst  er- 
wähnt. Letzteren  ist  Engel  (Kypros  I,  463  f.)  dem  Dienst  des  Eros  gleich  zu  setzen  geneigt, 
und  für  einige  Verwandtschaft  beider  Kulte  läfst  das  Priaposidol  am  Helikon  (Paus.  IX,  31,  2) 
sich  anführen.  Ebendaher  ist  endlich  auch  Asklepiosdienst  bezeugt,  dessen  Heilschlange  nach 
Rückerts  Vermuthung  (Troja  S.  80)  den  Namen  noopsioig  der  Heilschlange  erklären  hilft. 

(30)  Eros  zu  Eleusis.  Von  Gesängen  des  Pamphos  und  Orpheus  auf  Eros  sagt  nach 
der  Mittheilung  eines  Daduchen  Pausanias  IX,  27,2:  xai  <rt fnmv  djucporepotg  mnoi^pLsva.  eorlr 
kg  ’Tpuira.,  Tra,  km  roig  8pixifj,evoig  A vxo[Jt,[8ou  xou  tclvtu,  ak'uimv.  Über  die  Lykomiden  als  messe- 
niscb  - eleusinisches  Priestergeschlecht  vgl.  Preller  Demeter  S.  63.  148.  Hierbei  kommt 
denn  auch  die  politische  Verknüpfung  von  Athen  und  Thespiä  in  Anschlag.  Reide 
Städte  sind  durch  die  Sage  von  Thespios  als  Sohn  des  Erechtheus  (Paus.  IX,  27,  4)  ver- 
bunden und  sandten  gemeinsame  Kolonisten  nach  Sardo  (Paus.  IX,  23,  1).  Von  Götter- 
diensten war  ihnen  die  Verehrung  der  Athene  Ergane  (Anm.  28)  und  auch  die  des  Eros 
gemein,  dem  laut  Plutarch  (Erot.  763)  vom  Helikon  bis  zur  Akademie  (Paus.  1,  30,  1) 
gehuldigt  wurde. 

(31)  Cerealischer  Erosdienst  gibt  bei  Demeterköpfen  im  Revers  auch  im  Löwen- 
bändiger Eros  der  Münzen  von  Callatia  (Anm.  53.  Amor  auf  Löwe:  Gal.  d.  Fir.  V,  2,  1), 
wie  auch  auf  den  politischen  Münzen  von  Amisos  (Pell.  II,  39,  3)  und  Sinope  (ebd.  40,  13) 
sieb  kund.  Desgleichen  sind  Erosbilder  mit  der  mystischen  Cista  keineswegs  unerhört: 
Taf.  I,  6.  7 (oben  Anm.  19).  Impr.  d.  Inst.  II,  32. 

(32)  Axieros  d.  h.  ’Agt-epuig:  Welcker  Aesch.  Tril.  S.  236  ff.  Eckermann  Mythol. 
II,  2.  115.  122.  Nach  Rückert  (Troja  S.  77)  wäre  anzunehmen,  dafs  Mnaseas  im  allbekann- 
ten Zeugnifs  in  Axieros  nur  aus  Mifsverstand  die  Demeter  selbst  erkannt  habe,  während 
die  Vergleichung  mit  Ilithyios  als  parischem  Sohn  Demeters  vielmehr  auch  Axieros  für  einen 
als  Sohn  Demeters  zu  fassenden  Eros  halten  lasse.  Wir  glauben  eines  solchen  Nothbehelfs 
nicht  zu  bedürfen. 

(33)  Eros,  ältester  Gott.  Scbol.  Apoll.  Rhod.  III,  26:  ’AnoXXuuvtog  jusv ’A(ppo8tryjg 
TCv^EpiuTu  7ei>£aÄoy£T,  ^cincpu)  8s  r%  xou  Ovpxvov,  1$ip>.wv[8vig  Ss  ’AippoS'iTrig  xou  '’Apeog,  "lßvxog 
xou  ' HcnWo?  ex  Xo iovg  XsyeL  tov  "TL puroo.  ’Er  (S's  roT;  elg  ’Optpe'ot,  (Fragm.  22.  Unten  Anm.  61) 
Kpo'vov  ygrraXoyEircu.  Alter  als  Kronos  und  Japetos  heifst  Eros  auch  bei  Plato  (Symp.  195B), 


über  den  Gott  Eros. 


21 


womit  ein  Diehterspruch  des  Meleager  (ep.  91.  Anal.  I,  260)  stimmt:  ovts  yxp  a.lQr.p,  ov 
yßwv  <p'/i<r\  Texeiv,  ou  nsXa.yog  . . . Von  Ililhyia  leitete  Oien  (Anm.  73)  ihn  ab;  orphisch 
(Arg.  1 4 ff.)  ward  er  als  Sohn  der  Nacht,  nämlich  vermittelst  des  uranfänglichen  Weltey’s, 
(Anm.  38)  betrachtet. 

(34)  Eros  jüngster  Gott.  Paus.  IX,  27,  2:  ^Epuira,  xvdpwnoi  yb  ei  n-oXXol  vew- 
tcltov  flsoY  eivxi  xotl  ’Acppobryig  vaXöcx  yyqvrat. 

(33)  Als  Weltschöpfer,  wie  Eros  aus  Ilesiod  und  den  Orphikern  (Eobeck  Agl. 
I,  529)  und  vielleicht  selbst  aus  Kunstdenkmälern  (Luynes  Ann.  XIX  p.  179,  1.  Mon.  IV,  39, 1: 
,/Eros  et  Gaea.”  Aufsteigende  Kora?)  nachweislich  ist,  sollte  derselbe  aus  einem  Weltey 
(Anm.  38),  vielleicht  auch  aus  Gewächsen  (Anm.  17.  26)  entsprossen  sein.  Eben  darauf 
mag  die  Geberde  seines  wie  zur  Andeutung  seines  Geschlechts  weilgeöffneten  Gewandes 
(Taf.  I,  2)  hindeuten;  ja  auch  die  Schlangenbildung  geflügelter  Jünglinge  dürfte  als  Sinnbild 
ältester  Erdgeburt  sich  auf  Eros  beziehen  lassen,  v\ie  denn  ähnliche  Gestalten  sich  verzie- 
rungsweise an  etruskischen  Spiegeln  (Gerh.  Elrusk.  Spieg.  1,  76.112.  11,196)  finden,  wäh- 
rend an  gleicher  Stelle  auch  Erosbilder  der  üblichsten  Art(Ebd.  II,  164)  nicht  unerhört  sind. 

(36)  Als  Weltordner  aller  Regionen,  nxvTuuv  xXyda.g  s^orra,  feiert  den  Eros  ein 
orphischer  Hymnus  (LVII,  4 ff.);  orphisch  wird  er  auch  dem  Zeus  gleichgesetzt  (Lob. 
Agl.  I,  529). 

(37)  Kosmische  Symbole  des  Eros  werden,  wie  bei  Apoll,  nach  Ileraklits  Vorgang 
in  Bogen  und  Lyra  (Creuzer  II,  596  ff.  N.  A.)  und  auch  in  der  Fackel  erkannt,  wegen  der 
er  ein  Feuergott  ( rvp'ßpoyog  Orph.  II.  LVII,  2)  heifst.  Vgl.  Orph.  Arg.  14:  dupvyj  nvptrwnsa, 
xvüpGv  ’Eoourct.  Die  Lyra  als  Weltharmonie  (Orph.  II.  8,  9.  34,  16.)  pylhagorisch  zu  deu- 
ten, fand  auch  Winckelmann  (Descr.  Stosch  p.  143)  nicht  unangemessen  (Vgl.  Anm.  47). 

(38)  Eros  aus  dem  Weltey.  Aristoph.  Av.  694:  tIxtei  npwrto-Tov  vn-/\vE yiov  Nv£  jj 
y.EXa.vomEpog  (jÜov,  s£  ov  nEpiTzXXoyEvxug  vupxig  eßXx cttev  ’'Ep wg  ö noßzivog.  Daher  die  gleich- 
geltenden Namen  Phanes  (npwToq  y dtp  sipa.vßvj  Orph.  Arg.  16)  und  Protogonos  (Hymn. 
VI,  2 : woyEvv;g,  beflügelt,  Td.vpujno\ ;),  auch  Priapos  (Vs.  9.  Upr/]nov  xal  ’ Avravy/jv.  Oben 
Anm.  16),  denen  auch  der  rälhselhafte  Erikapäos  (Anm.  58)  gleichgilt.  Vgl.  Lob.  Agl. 
I,  478  ff.  Müller  Lit.  Gesch.  I,  426.  435.  Eckermann  Myth.  II,  22. 

(39)  Eros  mann  weiblich:  Ai  pvy,g  (Orph.  H.  LVII,  4).  Vgl.  unten  Anm.  96. 

(40)  Beinamen  DES  Eros.  Bereits  erwähnt  wuirden  die  Ilesiodischen  Xv<riy.sXm/ig,  xaX- 

XiVTog  (Anm.  11).  Auch  als  Freiheitsgott  erscheint  Eros  in  seinem  Bezug  auf  die  Eleuthe- 
rien  (Anm.  4 1 ),  wie  denn  auch  der  mehrgedachte  Beiname  dem  bacchischen  Avtrtog 

wohl  entspricht. 

(41)  Eros  Staats-  Kampf-  und  Freiheitsgott.  Athen.  XIIT,  561  E:  AaxeJ'ai- 
fiovioi  <3s  7 rpo  rSiv  7ia.pctTOL£eujv  ’Epwn  npoßvovrxi  (Müll.  Dor.  I,  407).  . xa'i  Kpyjrep  A (Aelian  V. 
H.  III,  9)  iv  Tcug  napoLTd^ecri.  rouc  xxXXiTTOvg  tuj v jtoXltuiv  xoGylytxvzzg  Ace  tovtwv  ßvovm  tw 

pujri  ...  0 eis  napoi  ©yjßxioig  Upog  Xo'yog  xa.Xovy.Evog  <tvvsjty\xzv  sg  EpourrSiv  xal  epnoybuov  rqv  tov 
flsov  crEyvoTYjTa.  sy.(poi[vujv,  ä.trna'^oy.Evujv  ßdvxTov  evSo £ov  dvr  aiV^pou  xal  snovEiSlcTOV  ßiov.  Igayuoi 
is  . . yvy.vxcnov  <xvo.ßzvTzg  rw  Epain  rry  Aa  tovtwv  clyousvYy  sopTvy  ’EXevdepix  npo<rriydpev<rxv. 
A’  ov  ßsov  xal  ’A  ß-/\vxÜoi  iXsvßspixg  ETvy_ov  xal  ol  nsitrurrpaTiAzi  . . . (Anm.  45).  Eros-Altar  in 
der  Akademie  von  Charmos  zu  des  Peisislratos  oder  des  Hippias  Zeit  gesetzt:  XIII,  609  D. 
Vgl.  Paus.  I,  30,  1.  Bei  diesem  Erosaltar  in  der  Akademie  ward  das  Feuer  zum  Fackellauf 
angezündet,  nach  Plut.  Solon  1 ; vgl.  Meurs.  Ceram.  25. 


D 


22 


Gerhard 


(42)  Von  BÖOTISCHEN  Festen  ist  hauptsächlich  den  Orchomenischen  Charitesien  (Boeckh 
Staatsh.  II,  351  ff.  C.  I.  no.  1584)  der  überwiegende  Charakter  musischer  Feste  mit  den  Ero- 
tien  gemein.  Den  Eleutherien  zu  Platää,  die  zugleich  mit  den  Erotien  von  Thespiä  als 
böotische  Hauptfeste  erwähnt  werden  (Schob  P.  Ol.  VII,  153)  und  als  nach  der  Perser- 
schlacht zu  Ehren  des  Zeus  Eleulherios  (Plut.  Arist.  19.  Meurs.  Gr.  fer.  s.  v.)  eingesetztes  Fest 
bekannt  sind,  ist  auch  die  fünfjährige  Wiederkehr,  wie  bei  den  Erotien,  bezeugt. 

(43)  Opfer  FÜR  Eros  vor  der  Schlacht:  Aelian  V.  H.  III,  9.  H.  Anim.  IV,  1.  Athen. 
XIII,  561  E.  Müller  Dor.  I,  407. 

(44)  Eros  im  Tuolos  zu  Epidauros.  Paus.  II,  37,  3 (Gemälde  des  Pausias):  ßib/j  fj.lv 
xal  to£o v eoVi v acf)fixuug  ’Epiug,  Xvpxv  $e  cUvt  xvtujv  xpa/xevog  (ps'psi.  Ähnlich  ist  das  o'Uy^j.x  zu 
Aegira  mit  den  Statuen  von  Eros  und  Tyche  (Paus.  VII,  26,  3),  und  ähnlich  der  von 
Schlangen  umgebene  Tholos  eines  Cistophors  bei  Eckhel  Syll.  num.  V,  7. 

(45)  Reinheit  des  Erosdienstes.  Für  die  Reinheit  griechischer  Männerliebe  im 
früheren  Alterthum,  wie  sie  hauptsächlich  durch  die  thebanische  Schaar  (Anm.  41.  Müll. 
Dor.  II,  290  ff.)  verherrlicht  ist,  zeugt  ausdrücklich  Athenaeus  XIII,  562  A:  oi  Heimrrpcit/rl&cu 
sxnetrovTsg  snsjEip-^xv  S'ixßxXXetv  npuroi  rag  nspl  rov  äeov  tovtov  npx^Eig.  Noch  weniger 
Unglimpf  ist  über  den  Ruf  der  Erosfeste  ergangen:  nur  in  einem  sehr  späten  und  unver- 
bürgten Zeugnifs  (Euseb.  in  Const.  7.  Engel  Kypros  II,  400)  werden  sie  opyix  /uoiy^ixx  ge- 
scholten. Gegen  die  vermeintlich  phallische  Form  des  thespischen  Erossteins  ward  schon 
oben  (Anm.  15)  Einspruch  gethan. 

(46)  Feste  ZU  Thespiä.  Paus.  IX,  31,  3,  vom  Helikon:  nepoMovm  üe  xxl  xvS'psg  zo  xXzog, 
xxl  sopz^v  ts  EVTxiißx  oi  ®E<rmeig  xxl  äyouV»  xyovm  Moui tsix‘  xyovtrt  ol  xxl  rw  ''Epwn  xßXx  ou 
uouirix>js  fj-ovov , xXXx  xoti  xßXYjzxHg  zißsvzsg.  Vgl.  Jahn  Beiträge  S.  124,  6. 

(47)  Attribute  des  Eros  sind,  der  weichlichen  des  Mysteriendämons  (Anm.  101)  zu 
geschweigen,  hauptsächlich  Bogen  und  Leier:  nach  einem  für  Apoll  wie  für  Eros  berühmten 
und  auch  durch  alte  Philosopheme  (Creuzer  II,  596  ff.)  verherrlichten  Gegensatz  (Anm.  37), 
der  im  Tholos  von  Epidauros  (Anm.  44)  ausdrücklich  hervorgehoben,  und  wohl  auch  im 
schlaffen  Bogen  des  praxitelischen  Eros  (Anm.  51)  gemeint  war.  In  ähnlicher  Weise  wird 
auf  lesbischen  Münzen  (Mionn.  III.  p.  43,  73.  77)  die  Lyra  mit  Heroldstab  und  mit  Keule 
verbunden,  im  gemeinsamen  Bezug  auf  Eros,  Hermes  und  Herakles  als  palästrische  Götter. 
Auch  Bogen  und  Fackel  finden  sich  in  ähnlichem  Gegensatz  auf  Münzen  (Böa:  Pellerin 
III,  126,  5.  Kremna:  Pellerin  Mel.  I,  p.  243)  und  sonst.  Eigenthümlich  und  wohl  nur 
als  Dichters  Einfall  zu  betrachten  ist  die  Unterscheidung  eines  doppelten  Geschosses, 
die  Athenaeus  XIII,  562  E aus  dem  Tragiker  Chäremon  beibringt:  Sl^v/xx  7 otp  to£x  xvtov 
evteiveg’Sxi  y^ap'.rujv,  zo  fj.lv  ETi  svxlwvi  o.,  to  sv  cruy)£ucr£i  ßiozxg. 

(48)  Waffen  an  Säulen  geheftet:  wie  von  Apollo’s  Bogen  (Horn.  H.  Ap.  8)  bekannt 
ist  und  wie  auch  mit  gekreuzten  Fackeln  geschieht  (Caylus  III,  50,  5.  Gemmenbild). 

(49)  Schützenkunst,  wie  sie  späterhin  besonders  den  Kretern  verblieb  (Paus.  I,  23,  4: 
vEXÄ-/]iTii/  otl  fxv\  K pytrlv  odx  snt^uipiov  ov  To^eusir),  ist  zumal  aus  altgriechischer  Zeit  nach  den 
von  Pausanias  selbst  beigebrachten  Belegen,  nämlich  der  Lokrer  aus  Homer  (II.  XIII,  686. 
707)  und  aus  geschichtlicher  Zeit  des  attischen  Diitrephes  (Paus.  1.  c)  unzweifelhaft;  der 
Kretischen  Erosfeste  ward  bereits  oben  (Anm.  41)  gedacht. 

(50)  Eros  mit  der  Lyra;  hauptsächlich  aus  Gemmenbildern  und  aus  Reliefs  römischer 
Zeit  bekannt,  hie  und  da  auch  in  Vasenbildern.  Vgl.  Prodr.  S.  239,  18.  20. 


über  den  Gott  Eros. 


23 


(51)  Mit  DEM  Bogen  scheinen  alle  auf  uns  gekommenen  gröfseren  Erosstatuen  ver- 
sehen gewesen  zu  sein,  wie  die  Elginsche  durch  ihr  Köcherband,  die  Vaticanische  in  Neapel 
(M.  Borb.  VI,  25.  Neapels  Bildw.  no.  295)  wiederholte  aber  als  vermuthliches  Nachbild  der 
praxitelischen  — ovx.  er  oürrsvuuv,  äXk’  drsvi&juevog  Athen.  XIII,  591  A — es  voraussetzen 
läfst.  Dazu  der  oft  wiederholte  bogenspannende  Flügelknabe  im  Kapitol  (Müller  Handb. 
391,  3).  Übereinstimmend  damit  zeigen  auch  archaische  Gemmenbilder  (Taf.  I,  8.  9)  den 
Eros  als  bogenspannenden  Jüngling. 

(52)  EpuebenbildünG , einem  Gott  der  Palästra,  wie  Eros  war,  wohl  entsprechend, 
ist  dessen  eben  erwähnten  älteren  Bildungen  durchgängig  gegeben,  und  auch  aus  späterer 
Kunst  — veavLug  notp’  o el'uuäs  Philostr.  I,  29  (hei  Andromeda)  — hie  und  da  nachzuweisen. 
Der  sinnliche  Pteiz  dieser  Bildung  wird  aus  ärgerlicher  Tempelchronik  sowohl  dem  thespi- 
schen  Eros  des  Praxiteles  (Lucian  Amor.  11.  17)  als  auch  der  zu  Parion  befindlichen  Eros- 
statue desselben  Künstlers  bezeugt:  ejusdem,  heifst  es  (Plin.  XXXIV,  4,  5),  et  alter  nudus  . . . 
par  Veneri  Cnidiae  nobilitate  et  injuria.  Adaniavit  enim  eum  Alcidas  . . . Umstände  den- 
jenigen günstig,  welche  den  oft  wiederholten  sehr  knabenhaften  Bogenspanner  (Müll.  Handb. 
391,  3)  ohnehin  lieber  für  lysippisch  als  für  praxitelisch  halten  wollen.  Aber  auch  die 
höhere  Göttlichkeit  der  reiferen  Erosgestalt  betont  Lucian  (ebd.  32):  ;,E pwg,  ov  xaxoV  vyniov  ono 7« 
^uuypacpuiv  no u^ov<n  y^eipsg,  J.Xk’  ov  vj  npairoirnopog  sy/vv/jcrsv  otp%j,  re'Xetov  evSv  rsyßsvTO..  Vgl. 
Prochette  Lettres  archeol.  I,  p.  136.  Sonstige  Belege  erwachsener  Erosbildung  folgen  dem- 
nächst (Anm.  66  ff.). 

(53)  Eros  MIT  Fackel:  ßoucü  Xa./unoig  eoitra,  tov  clKlov  uvtov  dvooidsi  (Mosch.  I,  23),  da- 
her es  auch  von  seinen  Gaben  heifst  (ebd.  29):  rot  yaip  nvp\  ndvTV.  ßeßot.nTcti.  Vgl.  Intpp. 
Tibull.  II,  1,  83.  Jahn  Beitr.  S.  143,  95.  In  hieratischer  Geltung  erscheint  dieser  fackel- 
tragende Eros  einen  Löwen  reitend  und  einem  Demeterkopf  gegenüber  auf  Münzen  von 
Kallatia  (Pellerin  I,  36,  6). 

(54)  Aphrodisisches  IN  Thespiä  ist  durchs  Heiligthum  der  Aphrodite  Melänis  und 
durch  die  praxitelische  Aphrodite  bezeugt,  die  zugleich  mit  dem  Standbild  der  Phryne  im 
Erostempel  zu  Thespiä  stand  (Paus.  IX,  27,  4).  Dafs  in  nächtlichen  Festen  Aphroditens 
ein  Knabe  mit  Fackel  seine  Stelle  fand,  geht  schon  aus  der  hesiodischen  (Theog.  991) 
Bezeichnung  des  Phaethon  als  vvftiog  (Wyuuv  hervor  (Anm.  63.  79). 

(55)  JACCHOS  MIT  Fackel.  Attisch  sind:  ctvry  (Demeter)  re  xal  vj  notig  xal  d&Sa.  eyjMV 
vIaxx,o?  (Paus.  I,  2,  4)  und  Jacchos,  dieser  als  (punripo'po g dcrr^p  (Aristoph.  Ran.  343),  wie  Eros 
im  orphischen  Hymnus  LVII,  2 nnplßpo/utoc  heifst.  Vgl.  Cerealisches  aus  Thespiä  oben  Anm.  28. 

(56)  Eros  GEFLÜGELT.  Diese  Befliigelung  ist  in  gut  attischer  Zeit  allgemein  anerkannt, 
nach  Euripides  (Hipp.  1262),  Aristophanes  (Av.  574),  Alexis  (Athen.  XIII,  562  E),  wie  nach 
Anakreon  (Fragm.  107.  Vofs  Mythol.  Br.  II,  4);  auch  heifst  der  älteste  Cupido  pinnatus  bei 
Cicero  (Nat.  D.  III,  23).  Nichtsdestoweniger  kann  dieselbe  erst  verhältnifsmäfsig  spät  ein- 
getreten sein,  wie  denn  der  Scholiast  des  Aristophanes  (1.  c.)  auf  die  Zeit  des  Bupalos  (Ol.  60) 
sie  zurückführt.  Vgl.  Abh.  über  die  Flügelgestalten  (Berl.  Akad.  1838)  S.  6 ff.  Welcker  Rhein. 
Mus.  VI,  585.  Ausnahmen  sind  nicht  unerhört  (Taf.  I,  15.  Prodr.  S.  72,  16),  aber  selten. 

(57)  Agon,  der  personificirte  Wettkampf  dürfte  in  mancher  Figur  beflügelter  Jüng- 
linge zu  erkennen  sein,  denen  die  Benennung  Eros  wenigstens  nur  im  politisch-athletischen 
Sinn  (Anm.  41)  dieses  Gottes  zukommt.  So  dem  Flügeljüngling,  der  auf  syrakusischen 
Tetradrachmen  (Nöhden  spec.  pl.  19.  Mionnel  I,  p.  295)  die  Quadriga  der  Rennbahn  zum 

D2 


24 


Gerhard 


Siege  führt,  und  andere  mehr  (Taf.  I,  3 ff.  8).  So  auch  der  schwebende  Jüngling  mit 
Waffen  und  Kranz,  der  als  Thonrelief  (T.  C.  Br.  Mus.  pl.  74)  bei  Panofka  (T.  C.  XXX)  als 
Eros  Uranios  (Anm.  8)  gedeutet  ist;  ihm  entsprechen  Fliigeljiingünge  archaischer  Gemmen  mit 
Zweig  und  Kranz  (Br.  Mus.  673),  auch  mit  Zweig  neben  einem  Altar  (ebd.  681).  In  Be- 
gleitung eines  knabenhaften  Eros  zeigt  ihn  ein  Gemmenbild,  nach  welchem  eine  schöne 
Thongruppe  des  Berliner  Museums  für  Eros  und  Agon  erkannt  worden  ist  (Arch.  Zeit.  VII, 
Taf.  2).  Auch  auf  Vasenbildern  erscheint  er,  einfach  sowohl  (Caylus  IV,  43,  2)  als  auch 
doppelt  (Abh.  Fliigelgest.  Taf.  IV,  7),  in  Umgebung  von  Paläslriten. 

(58)  Erikapaeos.  Der  Ortsname  Pantikapäon  kann  nicht  genügen,  um  diesen  räthsel- 
haften  zwischen  ’Hpi xznoiog  Orpli.  II.  VI,  4 not.  und  ’Hpixonor.og  schwankenden  orphischen 
Gölternamen  (Gesn.  zu  Orpli.  1.  c.  Lobeck  Agl.  I,  479)  zu  einem  ursprünglich  griechischen 
zu  machen,  zumal  wenn  Erekapaim  als  altbiblischer  Ausdruck  des  „langmüthigen”  Gottes 
versichert  wird  (Movers  Phönic.  I,  556  f.);  wohl  aber  ist  einzuräumen,  dafs  die  Hellenisirung 
ausländischer  Namen  nicht  ohne  selbständige  Deutung  erfolgte,  und  dafs  solchem  griechi- 
schen Auslegungslrieb  Erikapäos,  wenn  nicht  als  Gartengott  von  xvjn’o;  (Gesn.  I.  c.),  doch 
als  Luft  und  Frühlingshauch  (exp,  qo i,  xxnru>  Riiekert  Troja  S.  78)  dem  Zephyr  vergleich- 
bar zu  deuten  ganz  nahe  lag.  Möglich  und  wahrscheinlich  sogar,  dafs  erst  die  spätere 
Orphik  jenem  Namen  Eingang  verschaffte;  dafs  er  dein  Phanes  Protogonos  ebenbürtig 
erscheint  — Phanes  als  Ur/icht,  Erikapäos  als  Lebenshauch , (pwg  und  (wohorqp  nach 
Joh.  Malalas  und  Cedrenus  (Lob.  I,  473.  479)  — berechtigt  uns  dennoch,  dein  böotisch- 
orphischen  Eros  die  Idee  eines  ursprünglichen  Luftgotles  gleich  Erikapäos  zu  bekräftigen, 
während  die  einander  gleichgeltenden  Namen  Phanes  und  Protogonos  der  bekannten  Idee 
des  Eros  als  Weltschüpfers  sich  anschliefsen.  Der  Gegensatz  beider  Urkräfte  ist  hauptsäch- 
lich in  der  von  Gesner  (ad  Orpli.  p.  261)  gegebenen  Exegese  des  Nonnus  zu  Gregor. 
Nazianz.  III  hervorgehoben;  während  Phanes  als  plial lisch  (Anm.  16)  bezeichnet  ist,  bleibt  die 
Voraussetzung  begründet,  dafs  Erikapäos,  der  im  Besitz  einer  anderen  Urkraft  (irspxg  eipopog 
dvvxyeujg)  gedacht  wird,  bei  überschwenglicher  Schnelligkeit  mit  Flügeln  versehen  sei. 

(59)  Eros  luftig:  xctl  nrzpoz i;  ul;  opvig  i(pi'n-XTXt  oXXot  in  ohl.ovg  . . (Mosch.  I,  16). 

(60)  Eros  DES  Zephyros  Sohn  von  Iris;  nach  Alkaios  (Fragm.  9.  Plut.  Erot.  20). 
Nonn.  XXXI,  110.  Eustath.  Ilom.  555,  31.  Engel  Kypros  II,  397  f. 

(61)  Eros  UND  die  Winde  von  Kronos  erzeugt.  Orph.  fragm.  22  (Schob  Apoll.  Rhod. 

III,  26):  ^Efujra  Kpdvog  xa.1  nvzvy.ct.Ta.  nxvr  irex i'ouire. 

(62)  Beflügelte  Phallen  sind  aus  Gemmenbildern  (Tassie  5301 -5344)  und  Bronzen 
(Br.  d.  Ercol.  II,  97-99.  p.  397,2)  hinlänglich  bekannt,  in  eigenlhiimlicher  Weise  aus  dem 
phallischen  Tychon  neben  der  Glücksgöttin  eines  Reliefs  aus  Aquileja  (Abh.  Agathod.  Taf. 

IV,  3);  auch  aus  Bauwerken,  namentlich  dem  Amphitheater  zu  Nisines  (Nouv.  Ami.  I,  94,  6), 
wird  dergleichen  erwähnt. 

(63)  Als  MYSTISCHE  FLÜGELKNABEN  sind  nicht  nur  die  cerealischen  Jaechos,  Plutos, 
Triptolemos  (Prodr.  S.  84),  sondern  auch  aphrodisische  nachzuweisen.  Inschriftlich  be- 
zeugt ist  dies  für  Adonis,  der  auf  einem  etruskischen  Spiegel  (Gerh.  Etr.  Sp.  I,  1 16:  Alunis. 
Vgl.  ebd.  115  Turan , Alunis ) ganz  eben  so  Aphroditens  Schofskind  ist,  wie  auf  einem  an- 
deren ähnlichen  Kunstwerk  (Ebd.  I,  117.  Unten  Taf.  IV,  1.  2)  Eros  es  ist,  und  in  ähnlicher 
Weise,  sicher  als  Fackelträger,  ist  denn  auch  der  Phaethon  zu  denken,  den  Ilesiod  (Theog. 
987  ff.)  als  einen  von  Aphrodite  entführten  Knaben  und  als  deren  nächtlichen  Tempeldiener 
(yvyj.av  ho.ly.ovx)  bezeichnet. 


über  den  Gott  Eros. 


25 


(64)  BeflüGELUNG  als  korinthischen  Kunstgebrauch  nachzuweisen , ist  theils  die 
Bildnerei  am  Kasten  des  Kypselos  (Paus.  V,  18),  theils  auch  die  von  Korinth  stammende 
Kunst  etruskischer  Erzfiguren  und  Metallspiegel  sehr  geeignet.  Vgl.  Abhandl.  Über  die 
Flügelgestalten  (Berl.  Akad.  1838.)  S.  3. 

(65)  Aphrodite  und  Koka,  die  um  Adonis  sich  streiten,  füllen,  jene  der  neuerstan- 
denen Frühlings- Kora,  diese  der  Gräbervenus  entsprechend,  zwei  einander  nahverwandte 
Gölterbegriffe  aus,  deren  Übereinstimmung  im  Begriff  der  Dione  und  Libera,  wie  in  Kultus 
und  Bildnerei,  vielfach  nachweislich  ist.  Vgl.  meine  Venere-Proserpina  (Fiesoie  1825).  Creuzer 
Symb.  IV,  282  ff.  N.  A.  (Dione).  Klausen  Aen.  I,  502.  Unten  Anm.  01. 

(66)  Erwachsen  ist  Eros  theils  einzeln  (Anm.  52)  theils  in  Götterverbindung 
zu  denken.  So  a ) Aphroditen  empfangend,  bei  Phidias.  Paus.  V,  11,3  (Abh.  Zwölf 
Götter  Taf.  III,  2):  '’Epwg  e> c SxXdcnryg  ’Acppo^iT-pt  dvi ovcav  vnchy^ö/uLSvog.  Hienacb  hat  Pa- 
nofka  Ann.  II,  324  tav.  Z,  1.  (Vgl.  Jahn  Beitr.  S.  111  f.)  eine  berühmte  etruskische  Erz- 
gruppe gedeutet.  Der  vernnilhliche  neben  Aphrodite  stehende  ungeflügelte  Eros  im  Par- 
thenonfries (Müller  Denkm.  11,115g1)  ist,  obwohl  knabenhafter,  von  den  Flügelknaben  der 
späteren  Kunst  doch  sehr  verschieden,  so  dafs  er  mit  jener  selbständigen  Erscheinung  des 
Eros  sich  wohl  verträgt.  — Ferner  b ) in  Verein  mit  den  Chariten  im  Tempel  zu  Elis 
(Paus.  VI,  24,  5).  — Endlich  c),  wechselnder  Knabenbildung  (Anm.  72)  unbeschadet,  auch 
neben  Tyche  als  fackeltragender  beflügelter  Jüngling,  auf  Münzen  von  Aegium  (Sestini 
med.  Fontana  II,  5,  4),  wonach  der  mit  Tyche  von  Aegira  (Paus.  VII,  26,  3)  verbundene 
geflügelte  Eros  ebenfalls  als  Ephebe  (Anm.  52)  sich  denken  läfst,  zumal  der  laut  seinem 
Namen  gleichfalls  auf  Tyche  bezügliche  phallisehe  lind  geflügelte  Dämon  Tychon  in  gleicher 
Ephebenbildung  nachweislich  ist  (Abh.  Agalhod.  Anm.  50). 

(67)  Eros  aus  Kypros  — npchndv  Kvirpov  (Anm.  10)  nach  Theognis  — wiederholt 
sich  auch  als  puer  Jda/ius  im  späten  Sprachgebrauch  des  Statins  Tlieb.  II,  287. 

(68)  Apiiroditens  Kind  hiefs  Eros  bereits  bei  Parmenides  laut  Plato  (Symp.  180  D): 

Slo  Happsvi^Yig  p.\v  änoipxivsi  rav  ”EpujTX  räiv  ’Aippoü'iTqg  epy uiv  npexßvrci.Tov,  sv  rvj  xosyzcytma 
ypdcpuuv  npujTKTTOv  fj.lv  '‘Epnirx  8süjv  p//\T\.xxT0  navrwv  (also  Eros  Apiiroditens  Schöpfung). 
'UtrloSog  $s  (pvtrixujTSpov  spoi  dsxel  noüv  ’Ücuura  ndvrwv  7rpB<rßvTXT0v.  Jener  ersteren  Auffassung 
der  Aphrodite  als  Wellmutter  und  Mutter  des  Eros  war  auch  Simon  id es  gefolgt,  nach 
Servius  (Aen.  I,  664):  secundurn  Sirnonidern , qui  dicit  Cupidinem  ex.  Venere  tan/um  esse 
progenitum,  quanquam  alii  dicant,  ex  ipsa  et  Marte,  alii  ex.  ipsa  et  Vulcano.  Allegorisch 
erklärend  sagt  freilich  Euripides  (Hippol.  449.  Plut.  Erot.  756)  von  Aphroditen:  icrrlv  >j 

i rnslpovtru.  xai  odovd  epov. 

(69)  Dafs  Aphrodite  nicht  ohne  Eros  denkbar  sei,  beruht  zunächst  auf  Plato’s  Aus- 
spruch (Symp.  180  D:  ndvTBg  yd p 1'rp.Bv  ori  oüx  iVrtv  xvbv  ''Epurog  ’AfppoSavj),  bei  dem  er  zwar 
nicht  als  der  Göttin  Sohn,  sondern  nur  gleichzeitig  mit  ihrer  Geburt  von  Poros  und  Penia 
(Anm.  9)  entstanden  (yemjAr! g sv  roig  ixsi'vvjg  ygveöXioi g 203  C)  gedacht  wird.  Von  Attika 
sagt  Euripides,  Kypris  sende  bei  Windessäuseln  und  Blumenduft  auch  als  Beistand  der 
Weisheit  und  Tugend  Eroten:  rd  croip'x  nxoüpovg  nsfjLTiBiv  Epiurctg  nxvroixg  dperug  fcvvspyovg 
(Med.  833.  Vgl.  Hippol.  1258:  <rv  rdv  dswv  dxd.fj.XTiv  (pplvx  xa!  ßpordiv  dysig  K vnpi'  <rvv  <3’  o 
noixikonTepog  . . ,’Epuig),  und  die  Gültigkeit  solcher  Verbindung  gibt  selbst  im  Gebet  sich 
kund,  wenn  zugleich  mit  Hermes,  Chariten,  Horen  und  Aphrodite  der  dem  Eros  gleich- 
geltende (Anm.  7)  Polhos  angerufen  wird  (Aristoph.  Pac.  455),  späterer  Deutungen  so  unbe- 


26 


Gebhard 


zweifelter  Verbindung  — Eros  und  Aphrodite  ägyptisch  als  Sonne  und  Mond:  Plut.  Erot. 
764  — zu  geschweigen. 

(70)  Erosdienst  ohne  Verknüpfung  mit  anderen  Gottheiten  (Anm.  66)  ist  aufser 
den  uralten  Kulten  von  Thespiä  und  Parion  (Anm.  13.  14),  dem  Tempel  zu  Leuktra  (Anm.  21) 
und  den  mancherlei  anderwärts  (Anm.  41)  dem  Eros  gebrachten  Opfern  im  Ganzen  nur 
wenig  bezeugt;  daher  ein  Gemmenbild  zu  beachten  ist,  das  vereinzelt  in  einem  Tempel 
oder  Heroon  ihn  zeigt  (Taf.  I,  14).  Nur  als  Pförtner  dagegen,  als  ein  fremdem  Götter- 
dienst verknüpfter  Eros,  den  die  Palme  in  seiner  Hand  als  Uranios  kundgibt  (Anm.  18), 
erscheint  Eros  vor  dem  Tempel  eines  Borghesischen  Reliefs  („Filosofo  sacrificante.”  Ca- 
nina  Monum.  Borghes.  tav.  16  p.  59  s. ),  worin  zwar  Nihby  einen  isthmischen  Tempel 
sammt  einem  Genius  isthmischer  Spiele  erkannt  und  eine  demselben  durch  Apollonius  von 
Tyana  bezeugte  Verehrung  vermuthet  hat;  indefs  spricht  der  Kopfputz  der  dem  „Philoso- 
phen” nachfolgenden  Frau  zugleich  mit  dem  Pinienbaum  eher  für  ein  unter  phrygisch- 
sabazischen  Gebräuchen  gefeiertes  Todtenopfer. 

(71)  Beisitzerinnen  des  viereckten  Hermes  und  des  spitzsäuligen  Agyieus  traten  aus 
dem  beiden  Göttern  mythisch  verknüpften  Nymphendienst  im  Kultus  vermuthlich  erst  all- 
mählich hervor.  Zeus  ist  in  ähnlicher  Spitzsäulengestalt  neben  einer  gleich  roh  gebildeten 
Artemis  nachweislich  (Paus.  II,  9,  6),  aber  selbst  im  dodonischen  Dienst  ward  Dione  erst 
verhältnifsmäfsig  spät  ihm  beigeordnet,  während  der  älteste  dortige  Kultus  ausschliefslich 
dem  Zeus  galt  (Abh.  Agathod.  Anm.  67). 

(72)  Eros  neben  Tyche  ist  theils,  wie  oben  Anm.  66  c bemerkt  ist,  in  reifer  Bildung, 
theils  auch  knabenhaft  zu  denken,  wofür  es  in  noch  vorhandenen  Kunstdarstellungen  (Taf. 
I,  1.  Mon.  d.  Inst.  III,  6.  Vgl.  Abh.  Agathod.  Anm.  48)  an  Belegen  nicht  fehlt.  Auch  Ari- 
stophanes  spricht  dafür,  wenn  er  in  einer  bisher  unverstandenen  Stelle  (Av.  1315)  die 
Wolkenburg  seiner  Vögel  von  Tyche  sowohl  als  auch  von  dämonischen  Stadtgenien,  von 
„Eroten  der  Stadt”  schützen  läfst,  die  wir  kaum  anders  als  in  Knabenbildung  denken  können. 
Ein  ähnliches  Paar  von  Flügelknaben  erscheint  in  Minervens  Umgebung  vor  einem  Altar 
in  einem  Karneol  meines  Besitzes. 

(73)  Eros  UND  Ilithyla.  sind  in  der  Sage  des  Oien  (Paus.  IX,  27,  2)  verbunden,  wo 
Ilithyia  — ohne  Zweifel  die  nach  Delos  und  von  dort  nach  Athen  gekommene  hyperborei- 
sche  Göttin  — des  Eros  Mutter  hiefs.  Vgl.  Müller  Dor.  I,  243.  313. 

(74)  Eros  der  Artemis  Kind.  Cic.  Nat.  D.  III,  23:  Cupido  primus  Mercurio  et 
Diana  prima  nalus  dicitur,  secundus  Mercurio  el  Venere  secunda,  tertius  quidem  est  Anteros 
Marte  et  Venere  tertia.  Vgl.  III,  22:  Diana  Jovis  et  Proserpinae,  quae  pinnatum  Cupidi- 
nem  genuisse  dicitur.  Die  Gleichsetzung  dieser  Artemis  mit  Ilithyia  wird  einleuchtender 
durch  das  äginetische  Thonrelief  (Mon.  d.  Inst.  I,  18  2?.  Welcker  Ann.  II,  65  ff.),  auf 
welchem  Eros  neben  Artemis  - Hekate  auf  einem  Wagen  steht,  dessen  Greifengespann  ganz 
wie  Ilithyia  auf  hyperboreische  Abkunft  hinweist.  Auch  die  Sepulkralgruppe  eines  Gräber- 
Eros  und  eines  Hekatebildes  (Taf.  II,  2)  ist  hier  zu  vergleichen.  Somit  kann  auch  der 
neuerdings  angewandte  Satz,  dafs  Eros  weder  der  Hera  noch  auch  der  Artemis  Kind  sei, 
unmöglich  zum  Grund  gereichen,  um  mit  Röth  (Ägypt.  u.  Zoroastr.  Glaub.  Anm.  S.  57)  für 
die  Abstammung  des  Eros  von  Ilithyia  einen  ausländischen  und  zumal  ägyptischen  Boden 
zu  suchen,  dergestalt  dafs  Eros  dort  einem  ägyptischen  Iiarseph- Menth,  einem  Sohne  von 
Neith  oder  Pascht,  gleichgesetzt  wird. 


über  den  Gott  Eros. 


27 


« 


(75)  Apiiroditens  Kind  war  Eros  demnach,  sofern  die  älteste  Aphrodite  den  oben- 
gedachten Göttinnen  gleich  ist:  denn  a ) der  Tyche  gleicht  sie  als  älteste  der  Mören 
(Paus.  I,  19,  2)  und  selbst  nach  der  Auffassung  von  Gemmenbildern,  auf  denen  Venus  mit 
Füllhorn  oder  Ruder  erscheint;  der  Ilithyia  b)  und  Artemis  aber  als  delische  Aphro- 
dite xpyjxlx  (Paus.  X,  40,  2.  Callim.  Del.  308.  not.  Müller  Dor.  I,  313.  Vgl.  die  bacchi- 
sche  Venus-Flora  mit  Flügelknaben : Mus.  Chiaram.  I,  36.  Ann.  d.  Inst.  II,  347)  und  c)  son- 
stigen Kindspflegerinnen  auch  durch  die  Verbindung  der  verschleierten  Aphrodite  mit 
einem  Knäblein  auf  Münzen  von  Aphrodisias  (Pellerin  II,  66,  14). 

(76)  SAMOTHRAKISCHE  Venus.  Plin.  XXXVI,  4,  7:  Scopas  ferit  Venerem  et  Pothon 
et  Phaethontern,  qui  Samothrace  vetustissimis  caerimoniis  coluntur.  Vgl.Welcker  Tril.  S.  241  f. 
Hyperb.  röm.  Studien  I,  45.  Prodr.  myth.  Kunsterkl.  S.  167.  Klausen  Aen.  I,  66  (nächt- 
licher Dienst). 

(77)  Zwei  Eroten  pflegen  als  Uranios  und  Pandemos,  Pothos  und  Himeros,  nach  He- 
siod  (Theog.  201)  als  Eros  und  Himeros  Aphroditens  Gefolge,  besonders  in  Darstellungen 
der  späteren  Zeit,  zu  bilden,  wie  römische  Statuen  (Clarac  620,  1406)  und  asiatische  Münz- 
typen (Pell.  Suppl.  II,  7,  1)  es  uns  zeigen.  Vgl.  Anm.  5.  Taf.  IV,  3.  Prodr.  S.  229,  3. 

(78)  Chablaissche  Herme:  Gerh.  ßildw.  XLI.  S.  286.  Abh.  über  Venusidole  (Berl. 
Akad.  1843)  Taf.  IV,  1. 

(79)  Phaethon.  So  wenig  die  Gleichsetzung  von  Eros  und  Pothos  (Anm.  7)  streitig 
sein  kann,  so  sehr  befremdet  es,  den  Phaethon,  der  als  Liebling  Aphroditens  und  als  ver- 
muthlicher  Morgenstern  (Anm.  93)  gerade  auch  der  leuchtende  Tempelknabe  ihrer  nächt- 
lichen Feier  (vv^iog  Sxipiujv)  ist,  vielmehr  erwachsen  und  mit  apollinischem  Attribut 
zu  finden.  Dieser  Umstand  erklärt  sich  jedoch,  sobald  man  die  natürliche  Verschiedenheit 
einer  zweifachen  und  einer  dreifachen  Gruppirung  erwägt:  die  Begriffe  des  mythischen 
Sonnenjünglings  und  des  leuchtenden  Tempelknabens,  die  dort  vereinigt  in  einem  einzigen 
Dämon  sind,  erscheinen  hier  getrennt;  jener  Begriff  aber  eines  dem  Adonis  entspre- 
chenden Sonnenjünglings  ist  für  Phaethon  ebenso  anerkannt  (Welcker  Tril.  241  f.)  als,  zumal 
in  der  späten  Entstehungszeit  der  chablaisschen  Herme,  die  Gleichheit  des  Helios  und  des 
Apollon. 

(80)  Auf  KORINTHISCHEN  MÜNZEN  erscheint  a)  einzeln  sowohl  Helios  und  sein  Wagen 
(Mionnet  II,  p.  176.  180),  als  auch  b ) Aphrodite  (Eckhel  D.  N.  11,242),  mit  welcher  zu- 
weilen, obwohl  selten  (Mionn.  II,  179,  232.  188,  301),  c)  Eros  gepaart  ist.  Auf  einem 
berühmten  Kamee  korinthischer  Darstellung  (Eckhel  P.  gr.  14.  Müller  Denkm.  II,  75)  er- 
scheint Eros  auch  als  korinthischer  Gott  und  als  verbunden  mit  Melikertes.  Nach  Pausanias 
II,  4,  7 waren  Helios,  Aphrodite,  Eros  dort  vereint,  so  jedoch  dafs  Aphrodite  bewaffnet, 
Eros  mit  einem  Bogen  versehen  war.  Vgl.  Prodr.  S.  167,  10. 

(81)  Megarisciie  Aphrodite.  Paus.  I,  43,  6:  aycnk/za.  iXetyctvTog  ’A <j>po&T»j  nenof/i/msvov, 
npafyg  £7io tovto  £<TTtv  xp%ouoTa.Tov  ev  ru)  v&w.  TIsiQuj  <^s  . . . (Folgen  die  Chariten  und 
Eroten  des  Praxiteles  und  Skopas  Anm.  7). 

(82)  Asiatische  Einflüsse  dürfen  für  alle  Beflügelung  der  griechischen  Kunstgebilde 
angenommen  werden  (Abh.  Flügelgestalten  S.  2),  für  den  Eros  noch  mit  dem  besonderen 
Grund  seiner  für  Samothrake,  Korinth,  Kypros  vorauszusetzenden  dämonischen  Geltung, 
während  in  Thespiä  die  athletische  und  musische  überwog. 

(83)  Hermes  und  Aphrodite  dürfen  nach  jeder  Form  der  wechselnden  Sage  Eltern 


28 


Gerhard 


des  Eros  heifsen,  obgleich  keines  der  vorhandenen  Zeugnisse  die  ursprüngliche  Form  wie- 
dergiht.  Vater  des  älteren  wie  des  jüngeren  Eros  ist  nach  Cicero  Hermes,  Mutter  des 
einen  wie  des  anderen  Aphrodite  nach  Lactanz.  Bei  Cicero  (Nat.  D.  III,  22)  heilst  es: 
Cupido  prirnus  Mercurio  et  Diana  prima  nalus  dicitur,  secundus  Mercurio  et  Venere  secunda\ 
bei  Lactanz  1,17:  (Venus)  ...  ex  Mercurio  Hermaphroditum  (d.  i.  den  mannweiblichen 
Eros  vgl.  Taf.  II,  2),  qui  est  nalus  androgynus , ex  Jove  Ci/pidinem  (d.  h.  den  zweiten 
Cupido  des  Cicero).  Aufserdem  weist  auf  dieselbe  Abstammung  eine  auf  Theseus,  den 
Gründer  der  Pandemos  zu  Athen  (Paus.  I,  22,  3),  zurückgeführte  athenische  Statuenreihe 
von  Hermes,  Aphrodite  und  Eros  unzweifelhaft  hin:  «7 at’ky.a.Tct  eiViv  ’AQv)V/i<riv  'Ep/xov 
ipifl  v pi  <r  r ov  xtt!  ^EpuiTOC  xou  ’A(p  p 0 $ 1 rv)  5,  d.nep  npiürog  enoly^e  Qyjasng  . . . , wie  bei 
Bekker  Anecd.  p.  317  v.  YtSupirr'/jg  ’Epuvjg  statt  ’AÖ.  ■v/'tfl.  xa'ÜE p.  xa.1 ’Acpp.  xal’Epuou  gelesen 
werden  mufs.  Vgl.  Paucker  alt.  Palladion  S.  106. 

(84)  Kundschaft  des  Eros.  Eros  heifst  Kind  von  Ilithyla  (Anm.  73)  oder  von  Ar- 
temis (Anm.  14.  Cic.  N.  D.  III,  22:  Diana  Jovis  et  Proserpinae,  quae  pinnatum  Cupidinem 
genuisse  dicitur ),  die  mit  Hekate  (Eros  und  Hekate:  Mon.  d.  Inst.  I,  18  B)  zusammen- 
fallt. Die  Differenz  jener  Genealogien,  als  sei  der  älteste  Eros  von  Hermes  und  Artemis, 
der  jüngere  von  Aphrodite  und  wieder  von  Hermes  geboren,  rührt  wol  nur  daher,  dafs 
man  die  Identität  der  delischen  Artemis  und  der  ebendaselbst  verehrten  Aphrodite  (Anm.  75b) 
verkannte  und  deshalb  Aphroditen,  deren  Ehe  mit  Hermes  anderweitig  feststand,  erst  als 
Mutier  des  jüngeren  Eros  erwähnen  konnte. 

(86)  Zeus  und  Hermes,  beides  Ösol  dyopouoi,  wechseln  auch  in  der  Paarung  mit  Per- 
sephone- Axiokersa  und  fallen  sonst  öfters  zusammen. 

(86)  Eros  und  Hermes,  die  auch  Welcker  (Ann.  d.  Inst.  II,  79)  einander  gleichsetzt, 
sind  etymologisch  durch  übereinstimmende  Wesen  und  Wortlaute,  wie  Eros,  Iris,  Eris,  ferner 
wie  epp*,  fto/zac,  Hermes  (vgl.  auch  Erichthonios  und  Erideinos:  Rückert  Troja  96  f.)  mit 
einander  verbunden;  auch  wird  ein  Ilermeros,  wie  sonst  die  Hermen,  als  an  Kreuzwegen 
aufgestellt  erwähnt  (Anlli.  Pal.  IX,  440:  iv  TptoS'cutrtv). 

(87)  IMBROS.  Steph.  Byz.  s.  v.  "ijußpog  vijc rag  e<rn  Gpaxyg,  iepcl  Kaßeipwe  jeal  'Epjuov,  oY 
*1  p.ßpu.u.cv  ‘heyovtriv  oi.Kdpeg.  So  wird  nach  Eustathius  (ad  Dion.  Per.  524)  und  einem  Theil 
der  Handschriften  jetzt  gelesen,  dagegen  früher  ov  "ipßpov  (nach  „alten  Ausgaben”  Welcker 
Tril.  S.  217)  und  Xeyovtri  ptaxetpeg  (ebd.)  cilirt  ward;  piotxx psc,  woneben,  auch  abgesehen 
von  karischer  Sprachkennlnifs , der  Artikel  vermifst  wird,  findet  sich  in  drei  Handschriften. 
Seltsam  wäre  es  jedoch,  wenn  die  gleichgeltenden  Namen  ''ly-ßpog  und  ''ipißp  a.  cro  g für  karisch 
gelten  sollten,  da  sie  sowohl  mit  dem  durchaus  griechischen  '(ptepog  (Welcker  Tril.  193. 
217  f.  Panofka  M.  Blacas  p.  68)  als  auch  mit  dem  lateinischen  imber  und  der  vom  samischen 
Flufs  Imbrasos  (Schwenk  Andeut.  S.  89.  273)  benannten  „Regengöttin”  Here  Imbrasia  sehr 
wohl  stimmen.  Übrigens  erscheint  Hermes  auf  den  Münzen  gedachter  Insel  ithyphallisch. 

(88)  Eros  viereckt,  gleich  der  ältesten  Hermesbildung,  ist  im  Ausdruck  Hermeros 
(Anm.  86)  und  hauptsächlich  aus  einem  Chiaramontischen  Relief  (Taf.  IV,  1)  bezeugt,  wel- 
ches in  Tempelansicht  eine  Venus  mit  Delphin  vom  hermenförmigen  Eros  begleitet  darstellt. 

(89)  Tyrrhenische  Pelasger:  aus  Samothrake  sowohl  und  Athen  (Herod.  II,  51)  als 
auch  aus  Parion  (oben  Anm.  30)  hinlänglich  bezeugt.  Vgl.  Müller  Orchomenos  S.  438  ff. 

(90)  Eros  DES  Zeus  Kind,  nach  Eurip.  Hipp.  532:  o'iov  to  rUg  ’Acfj/JoiiVag  Tqtnv  ex  y^epiüv 
* Epuig  0 Aiog  notig  . . . Ebd.  538:  " Epuura  . . . rsY  ra;  ’Acppoäirxg  <Jn Ktchtcv  öa’Kotp.ujv  x’hqSovftov. 


über  den  Gott  Eros. 


29 


Virg.  Cir.  134:  pater  atque  avus  idem  Juppiter.  So  auch  Lactanz  T,  17:  (Venus)  ex  Jove 
Cupidinern.  Dagegen  dürfte  bei  Maximus  Tyr.  X,  4,  wo  des  Eros  Abkunft  von  Poros  und 
Penia  nach  platonischer  (Anm.  9)  Sage  vorausgesetzt  wird,  Sxivupevoig  roT;  ösot?  sv  Aio's  rct; 
’A<bpaOiTY\g  701 folg  (statt  rovg  ’AcppoStryis  ydpovg)  mit  Hecht  vermuthet  worden  sein. 

(91)  Kora  venusähnlich,  hauptsächlich  als  Göttin  Libera  in  unteritalischen  Vasen- 
bildern. Vgl.  Prodr.  S.  93  f.  229,  1.  Oben  Anm.  65. 

(92)  Demeter  mit  Aphrodite  statt  mit  Kora  verbunden  ist  aus  Sikyon,  Hermione 
und  sonst  bezeugt  (Paus.  II,  11,  8.  37,  2.  Prodr.  S.  94,  102.  113  ff.) 

(93)  PiiAETHON,  der  Eos  und  des  Kephalos  Sohn,  ward  als  Knabe  von  Aphrodite 
entführt  und  ihr  nächtlicher  Tempeldiener  (Anm.  79)  nach  Ilesiod  theog.  987  ff.  — nämlich 
der  Morgenstern,  nach  Hygin.  Astr.  II,  42.  Vgl.  Engel  Kypros  II,  644  ff.  (Phaon  ebd.  648  f.). 

(94)  Mysteriendämon  der  Kora-Libera,  aus  unteritalischen  Vasenbildern  allbekannt: 
Böttiger  Archäologie  der  Malerei  S.  224  ff.  Ritschl  Aiin.  d.  Inst.  XII,  189  ff.  Gerhard 
Apul.  Vasenbilder  S.  II  Sollte  ein  besondrer  antiker  Name  ihm  zustehen,  so  bleibt,  da  die 
bezeugtesten  cta.lp.ovec  nepl  Typ  AtypociiTrp,  Tychon  und  Gigon  (Prodr.  S.  238  f.),  phallisch  zu 
denken  sind,  auch  mancher  andere  Vorschlag  („Teleles“ : Rochette  Oresteide  p.  180)  unzu- 
lässig ist,  der  Name  Eros  oder  auch  Pothos  (Panofka  T.  C.  S.  92  f.)  der  nächste  und 
natürlichste.  Vgl.  Anm.  96. 

(95)  Eros  und  Dionysos  sind  in  ursprünglichen  Kultusbezügen  („Erosdienst  neben 
Dionysos  und  den  Musen”  pierisch:  Eckerm.  Mythol.  II,  S.  2)  nicht  bezeugt,  obwohl  sie  als 
Gottheiten  verwandter  Volksstämme  manche  Ähnlichkeit  mit  einander  haben  und  in  künst- 
lerischer Gruppirung  als  Wein-  und  Liebesgottheiten  guter  attischer  Zeit  aus  der  Gruppe 
des  Thymilos  (Paus.  I,  20,  1)  wie  aus  vermuthlichen  Wiederholungen  derselben  (Gerhard 
Bildw.  XIX,  S.  233  ff.  Vgl.  unsere  Taf.  I,  15)  bekannt  sind.  Erst  durch  des  Eros  Zutritt 
zu  den  Mysterien  werden  die  besonders  aus  Gemmenbildern  bekannten  bacchischen  Attribute 
(Thyrsus  u.  a.  in.)  erklärlich,  die  er  als  neckischer  Gegner  des  bacchischen  Dämons  Pan 
und  als  Ministrant  der  Dionysosgemahlin  Kora-Libera  führt  und  im  phantasiereichen  Vor- 
rath bacchischer  Bildnerei  auch  in  Verbindung  mit  Silen  (ihn  umschlingend:  Campana  Op. 
plast.  LI II,  „Jacchus”  als  Jüngling)  oder  anderen  bacchischen  Wesen  (Prodr.  S.  238,  10) 
bekundet. 

(96)  Eros  MANN  weiblich  nach  orphischer  Lehre:  S'icpvyc  (Orph.  H.  LVII,  4.  Panofka 
T.  C.  S.  93)  oder  auch  ovre  6tj \vg  our  ctpp-/]v  (Alexis  Athen.  XIII,  562.  Vgl.  Taf.  II,  4.) 
Unter  „Eros  als  Hermaphrodit  auf  apulischen  und  lukanischen  Vasen”  (Müller  Handb.  392,  2. 
Ritschl  Ann.  d.  Inst.  XII,  189  ff.)  ist  jedoch  nur  der  bald  entschieden  mannweiblich,  bald 
nur  weiblich  (so  auch  M.  Borb.  VII,  8 trotz  Quaranta)  gebildete  Mysteriendämon  (Anm.  94) 
zu  verstehen,  der  aber  auch  in  solcher  Eigenschaft  sterblichen  Frauen  nicht  selten  mit 
Liebesgaben  und  schmeichelnder  Bewegung  sich  nähert  (M.  Borb.  VII,  8 und  sonst),  etwaigen 
Nebenbezugs  auf  unnatürliche  Männerliebe  (Welcker  Rhein.  Mus.  VI,  603.  Ritschl  Ann.  d. 
Inst.  XII,  190)  zu  geschweigen.  Unterschieden  vom  mystischen  Hermaphrodit  ist  der  ihm 
voranschreitende  Eros  im  Vasenbild  unserer  Taf.  III,  2. 

(97)  Doppelzahl  des  mystischen  Eros,  zum  Theil  mit  deutlichem  Doppelgeschlecht, 
so  dafs  Aphrodite  selbst  durch  ihr  Erotengespann  (Millingen  Uned.  1,  13.  Vgl.  Tischb. 
IV,  5.)  sich  als  Kora  bekundet.  Vgl.  Prodr.  S.  229,  3. 

(98)  Mannweiblich  nach  orphischer  Ansicht  ist  sonst  hauptsächlich  Dionysos  (Ö^Xu- 

E 


30 


Gerhard 


^.opipog  Pliiloclior.  fr.  p.  21;  cu oXc/xopcpog  Orph.  H.  50,  5.  Creuzer  Melet.  I,  p.  21.  Unten 
Anrn.  107),  dem  im  Mises- Jacc ho s der  Orphiker  (Orph.  H.  42)  ein  phrygisches,  im 
Tylos-Atys  (Bull.  Napol.  VI,  p.  12  f.  18  f.)  ein  lydisches,  im  gleichfalls  mannweiblichen 
(Ptol.  Heph.  5.  Vgl.  Taf.  II,  4)  Adonis  ein  phönicisches  Abbild  entspricht.  Sollte  nicht 
auch  der  beim  Fackelfeste  für  ''Ar^g  von  Julian  (Oratt.  V,  179  B)  erwähnte  'EncKfipooirog 
'E p/U-/jg  ebenfalls  ein  kpy.<y.<ppochTog  sein?  Vgl.  Anm.  111  a. 

(99)  Attischer  Ursprung  ist  für  die  italischen  Vasen,  Etruriens  sowohl  (Rapp.  volc. 
p.  104  s.  Müller  Handb.  99,  2)  als  Unteritaliens  (Apul.  Vasenb.  S.  I.  Anm.  2)  auch  ohne 
Annahme  ihrer  Einfuhr  durchaus  wahrscheinlich. 

(100)  Den  HermäPHRODITISMUS  nicht  altgriechisch,  sondern  vielmehr  asiatisch  nennen 
zu  dürfen,  obwohl  er  in  thrakischen  und  eleusinischen  Weihen  anerkannt  ward,  genügt  es 
auf  den  mannweiblichen  Bacchus  phrygischer  Sabazien,  auf  den  kyprischen  Aphroditos  und 
auf  die  Verkleidungen  koischen  Herkulesdienstes  zu  verweisen,  während  die  griechische 
Volksreligion  von  dergleichen  ursprünglich  nichts  wufste.  Vgl.  Heinrich  de  hermaphrod. 
p.  I7ss. 

(101)  Als  Attribute  des  Mysteriendämons  (Anm.  94)  sind  zwar  hauptsächlich  die 
aphrodisischen  — Kranz,  Binden,  Fächer,  Salbgefäfs  — bekannt,  aber  auch  bacchische,  na- 
mentlich das  Tympanon,  auch  der  Thyrsus  (Gerh.  Bildw.  I,  44.  Vgl.  Panofka  T.  C.  S.  92). 

(102)  ANDROGYNISCH  ist  hauptsächlich  die  Mondeskraft  (auch  nach  Plato  Symp.  190 B), 
wegen  ihres  Antheils  an  der  Sonne  sowohl  als  an  der  Erde.  Vgl.  Lenormant  Ann.  d. 
Inst.  VI,  p.  259  f. 

(103)  Ithyphallische  Hermaphroditen:  Heinrich  de  hermaphrod.  p.  31  ff.  Dem 
dort  ausführlich  behandelten  bärtigen  amathusischen  Aphroditos  ( Hesych.  s.  v.  Macrob.  III,  8. 
Serv.  Aen.  II,  632.  Panofka  Archäol.  Zeitung  I,  86  f.  Rochette  P.  de  Pompeji  p.  137  ss.)  ist 
von  asiatischen  Gottheiten  hauptsächlich  der  sabazische  Dionysos  gleichzustellen,  der  auch  in 
römischen  Reliefs  vielfach  nachweislich  ist  (Gerh.  Etrusk.  Spiegel  I.  S.  70,  140).  Ebendahin 
gehört  auch  der  phallische,  obwohl  bartlose,  Hermaphrodit,  der  in  zwei  aus  Griechenland 
herrührenden  Reliefs  als  Idol  neben  Aphrodite  und  Eros  sich  findet  (Taf.  IV,  2). 

(104)  Schlaffe  Hermaphroditen,  in  denen  die  weichlichen  Jünglingsgeslalten  des 
Deus  Lunus  oder  Mensis  (Eckhel  D.  N.  III,  19.  507)  zur  Mischung  von  weiblicher  Brust 
mit  unkräftigem  männlichem  Geschlechtstheil  verbunden  erscheinen,  sind  die  berühmten 
liegenden  oder  auch  stehenden  (Berlins  Bildw.  No.  111.  Vgl.  Bött.  Amalth.  I,  347  ff.  Neapels 
Bildw.  S.  93  f.  Rochette  Pomp.  p.  147  s.  Archäol.  Zeitung  I,  5,  i)  Kunstgebilde  der 
verzärtelten  griechischen  Kunst  (Müller  Handb.  128,  2.  392,  2)  samt  und  sonders. 

(105)  Eros  hesiodisch.  Irgendwo  ist  der  Weltschöpfer  Eros  für  nicht  hesiodisch 
gehalten  worden,  weil  er  nicht  zeugt;  man  verkannte,  dafs  gerade  der  unentwickelte,  der 
Zeugung  vorangehende,  Urtrieb  in  ihm  gemeint  war. 

(106)  Eros  mannweiblich  und  satyresk:  Statue  zu  Neapel  (Neapels  Bildw.  no.  427), 
zu  vergleichen  dem  satyresken  Eros  eines  albanischen  Reliefs  (Zoega  Bass.  II,  88). 

(107)  Jacchos  hermapiiroditisch,  mit  Greifen  und  Luchsgespann:  Taf.  III,  1.  Ai(j>w]s 
ÄuVsio;  ''\uMfog  ist  orphisches  Beiwort  (Hymn.  42)  für  den  phrygischen  Mises. 

(108)  HERMAPHRODIT,  einen  Eros  tragend,  ist  Gegenstand  einer  Chablaisschen 
Marmorgruppe  (Hyperb.  R.  Studien  I,  102.  Archäol.  Zeit.  IV,  S.  LXIV),  wie  auch  eines 
demnächst  (Anm.  110)  zu  erwähnenden  Uolonna’schen  Reliefs. 


über  den  Gott  Eros. 


31 


(109)  IlithyioS:  als  Jasions  Sohn  Lei  Hygin  Fab.  270  erwähnt.  Vgl.  Müller  Orch. 
S.  460,  3.  Oben  Anm.  73. 

(110)  Colonna’sches  Relief,  darstellend  den  von  einem  Hermaphrodit  gehaltenen 
Eros,  der  eine  danebenstehende  Bacchusherme  bekränzt;  dieser  steht  ein  Idol  der  Göttin 
Libera  gegenüber.  Bei  neuester  Erörterung  dieses  auf  unserer  Taf.  II,  1 neu  abgebildeten 
Reliefs  sucht  Raoul  - Rochette  (Peint.  de  Pompeji  p.  151  f.)  in  den  gedachten  Idolen  von 
Liber  und  Libera  eine  Verbindung  von  Pan  und  Juno  Lanuvina  — , in  mythologischem 
Zusammenhang  fast  wunderlicher  als  wenn  Montfaucon  auf  seinem  Standpunkt  Philosophen- 
bildnisse darin  vernnilhete.  Dagegen  reihen  sie  als  Axiokersos  und  Axiokersa  der  oben 
begründeten  Gruppirung  der  Gottheit  Axieros  und  eines  als  Eros  gebildeten  Kadmilos 
ungezwungen  genug  sich  an,  um  eine  bildliche  Darstellung  der  von  Mnaseas  berichteten 
samothrakischen  Vierzahl  (Schob  Ap.  Rh.  1,  917)  uns  zu  gewähren. 

(111)  Hermaphrodit  in  viereckter  Hermenform.  Nämlich  a)  als  Hermes,  aber 
durch  den  Modius  weiblicher  Erdgöttinnen  (Taf.  III,  5-7.  Etwa  der  oben  Anm.  98  aus 
Julian  erwähnte  ’ErrcuppoS'iTOt;  ’Ep/uyjg?)  oder  durch  Doppelgeschlecht  (Hermen  mit  Jovi  Ter- 
rninali:  Taf.  III,  3)  von  den  gewöhnlichen  Merkursbildern  unterschieden,  oder  b ) als 
Aphrodite,  aber  mit  männlichem  Glied  und  mit  Angabe  des  Heroldstabes  am  viereckten 
Schaft,  wie  im  Hermenopfer  eines  apulischen  Vasenbildes  (Taf.  III,  6 nach  Bull.  Nap.  V,  4), 
woneben  als  gleichgeltende,  man  weifs  nicht  ob  viereckte,  Bildung  die  als  'E p/uxtppoS'iTog 
bezeugte  kyprische  Bartgöttin  (Anm.  103)  nicht  zu  vergessen  ist.  In  gleicher  Bedeutung 
einer  hermenförmigen  Aphrodite  ist  dieser  Name  auch  durch  die  Analogie  von  Hermerakles, 
Hermathene  und  durch  ähnliche  Composita  gesichert,  deren  irrthümliche  Deutung  auf  Doppel- 
köpfe von  Hermes  und  Herakles,  Hermes  und  Athene  statt  auf  viereckte  Herakles-  und 
Pallasbildung  unter  andern  auch  Rochette’s  neuliche  (Peint.  de  Pomp.  p.  141  s.)  Vermuthung 
veranlafst  hat,  als  sei  in  gewissen  Paarungen  männlicher  und  weiblicher  Köpfe  ein  Doppel- 
bild von  Hermes  und  Aphrodite  zu  erkennen. 

(112)  Als  Kultusbild  erscheint  der  Hermaphrodit  auf  unsern  Tafeln  II,  4.  III,  4.  5.  6. 
IV,  2 nach  Kunstdenkmälern,  durch  welche  schwierigen  Schriftstellen,  wie  die  bekränzten 
'Ep/u.ci(ppoätrot  des  Tbeophrast  (char.  16)  und  wie  der  Wittwengang  slg  iEp/ua.(ppoä''iTov  bei  Al- 
kiphron  III,  37  es  sind,  nicht  vorgegriffen  wird.  Vgl.  Heinrich  de  hermaphrod.  p.  8. 
Welcher  in  Creuzers  Studien  IV,  214.  Lobeck  Aglaoph.  p.  1007  und  meine  in  den  Hyperb. 
Röm.  Studien  (Band  II.)  erscheinende  Abhandl.  Über  die  Hermen,  wo  dieser  ganze  Ideen- 
und  Bilderkreis  weiter  erörtert  ist. 

(113)  Mysterien  des  Eros,  namentlich  in  thespischem  Dienst,  wurden  seit  Buonar- 
roti, Böttiger  (Kunstmyth.  II,  407  ff.)  und  Creuzer  (Symb.  IV,  161  ff.  N.  A.)  gemeinhin 
vorausgesetzt;  dagegen  hat  hauptsächlich  Jahn  Ann.  d.  Inst.  XIII,  290.  Beitr.  S.  124  ff.  sich 
erklärt.  In  der  Aufzählung  attischer  Mysterien  bei  Aristophanes  (Pac.  420)  ist  Eros  über- 
gangen; ebenso  in  der  Reihe  derjenigen  Götter,  denen  nach  Strabo  (IX,  3,  10.  p.  468  mit 
Einschlufs  der  Musen)  Orgiasmus  zusteht. 

(114)  Mysterienvereine,  wie  die  Stammtafel  pelasgischer  Göttersysteme  in  meinem 
Prodromus  S.  113  ff.  sie  anschaulich  macht. 

(115)  PLATONISCH  (Symp.  189  D)  ist  die  Vorstellung  von  anfänglichen  drei  Geschlech- 
tern, deren  eines  mannweiblich  war,  und  von  den  Doppelkörpern  die  Zeus  durchschnitt 
und  mit  Apollo’s  Beistand  ausbildete  (ebd.  190  D.  E). 


E2 


32 


Gerhard 


(116)  AlSTEROS,  der  im  athenischen  Altar  Paus.  I,  30,  1 als  rächender  Gott  (ccX«.Vru>p, 
deus  ultor  hei  Ovid  Met.  XIV,  750.  Vgl.  Pint.  Erot.  20)  verschmähter  Liehe  erscheint,  ist  doch 
auch  mit  gleichem  und  gröfserem  Recht  als  Ausdruck  erwiedernder  Gegenliebe  nachweislich 
(Plat.  Phaedr.  255  D.  Vgl.  Plutarch.  Alcibiad.  4),  deren  Liebeskampf  theils  in  der  Ab- 
leitung des  Anteros  als  dritten  Eros  von  Mars  und  Venus  (Cic.  N.  D.  III,  23),  theils  in 
der  palästrischen  Gruppirung  beider  als  Ringer  (Paus.  VI,  23,  4.  Müller  Handb.  391,  8) 
unverkennbar  ist.  Dieser  Wettkampf  scheint  denn  auch  in  die  bildlichen  Sepulkralvorstel- 
lungen  des  Eros  übergegangen  zu  sein  und  ist  nach  manchen  problematischen  Anwendungen 
jener  Namen  (Prodr.  S.  263,  77  D.  Vgl.  Jahn  Arch.  Beitr.  S.  155  ff.  Gerhard.  Arch.  Z. 
VI.  S.  340,  8)  vielleicht,  wie  auch  Braun  meint,  am  fiiglichsten  in  einem  hie  und  da 
durch  gewöhnliche  und  durch  Schmetterlingsflügel  unterschiedenen  (Prodr.  S.  261.  Jahn 
Beitr.  S.  183)  Knabenpaar  zu  erkennen.  Trauer  der  Liebesgötter  bei  Hochzeitsgebräu- 
chen anzunehmen  und  bei  Rochette  Mon.  pl.  42  A 2 zu  erkennen,  ist  eine  nicht  weiter 
begründete  Annahme  Welcker’s  zu  Miiller’s  Handb.  391,  8. 

(117)  PSYCHE,  für  deren  Verhältnifs  zum  Amor  erst  Apulejus  als  schriftlicher  Zeuge 
eintritt  (Jahn  Beitr.  S.  123),  ist  in  dessen  Verbindung  bereits  auf  den  Wandmalereien  Pom- 
peji’s  (Gerhard  Bildw.  LXI,  besonders  aber  in  römischen  Marmorwerken  (Jahn  Beitr. 
S.  163  ff.)  und  Gemmenbildern  häufig  zu  finden.  Vgl.  Taf.  I,  10.  11.  Prodr.  S.  245  ff. 
Arch.  Zeit.  VI.  no.  22.  23. 

(118)  Genien  von  Orten,  Personen  und  Körperschaften  sind,  jene  in  Schlan- 
gen-, diese  in  Menschengestalt,  hinlänglich  bezeugt  (Müller  Handb.  405,  6),  dagegen  die 
auf  menschliche  Zustände  und  Thätigkeitcn  statt  deren  sonstiger  Personification  (ebd.  406,  3) 
mifsbräucblicb  ausgedehnte  und  gemeinhin  für  Flügelknaben  angewandte  Benennung  von 
Genien  — eine  von  Visconti  Pio-Clem.  V,  13  geduldete,  von  Zoega  und  anderen  Forschern 
oftmals  gerügte,  unter  Künstlern  und  Kunstliebhabern  noch  immer  unverwüstliche  Vulgär- 
benennung — nur  als  poetische  Ausführung  des  Erosbegriffes,  als  Vervielfältigung  des 
Weltgeistes  Eros  in  unzählige  ihm  gleichartige  Menschengeister,  einige  Rechtfertigung 
verdient. 

(119)  Eros  als  Grabesdämon,  mit  Aphrodite  und  Dionysos:  Relief  aus  Pantikapäon, 
abgebildet  auf  unsrer  Tafel  II,  4. 

(120)  Todes-  und  Todtendämon,  nach  der  in  meinem  Prodromus  S.  245  ff.  begrün- 
deten Unterscheidung. 

(121)  Dafs  Psyche  nur  EROTISCH,  nicht  sepulkral  oder  mystisch  zu  fassen  sei,  meinte 
Jahn  Beitr.  S.  124  ff. 

(122)  Den  Ursprung  des  Psychemythos  pflegte  man  seit  Buonarroti  in  thespischen 
Mysterien  zu  suchen,  eine  Ansicht  der  Jahn  (Beitr.  S.  124  ff.)  nur  in  so  weit  widerspro- 
chen hat,  als  er  überhaupt  von  Erosmysterien  (Anm.  113)  nichts  wissen  will.  Aber  auch 
in  Tliespiä  w'O  kein  uns  bekannter  Umstand  dafür,  die  böotische  Männerliebe  und  Agonistik 
eher  dagegen  spricht,  bin  ich  weit  weniger  geneigt  die  Quelle  jenes  Mythos  zu  suchen, 
als  im  Zusammenhang  cerealisch -aphrodisischer  Mysterien,  wie  solche  aus  Samothrake 
und  Korinth  theils  die  Befliigelung  des  Eros  uns  zuweisen  (Anm.  64),  theils  auch  einen 
gröfseren  Spielraum  des  Seelenlebens  voraussetzen  lassen,  auf  dem  jener  Mythos  beruht. 


über  den  Gott  Eros. 


33 


9 


Erklärung  der  Kupfertafeln. 

I.  Bildungen  des  Eros. 

1)  Eros  als  geflügelter  Jüngling,  stehend,  mit  phrygischer  Mütze,  durch  die 
daneben  sprossende  Pflanze  als  Weltschöpfer  bezeichnet.  Die  kosmische  Bedeutung  der  in 
ähnlichem  Styl  auf  gleichartigen  Werken  befindlichen  Zeichnungen  spricht  für  diese  an  und 
für  sich  nicht  augenfällige  Erklärung.  Die  Kopfbedeckung  ist  aus  einem  ganz  ähnlichen 
Exemplar  ergänzt.  Etruskische  Spiegelzeichnung:  Gerhard  Etr.  Spiegel  I,  31,5  (vgl.  4), 
nach  Inghirami  Mon.  Etr.  II,  13  (vgl.  52). 

2)  Eros  als  Weltschöpfer  ist  vermuthlich  auch  in  dieser  geflügelten  und  bacchi- 
schen  Gestalt  eines  Knaben  gemeint,  welcher  mit  beiden  Armen  sein  Gewand  öffnet,  etwa 
um  seine  Männlichkeit  blicken  zu  lassen,  wie  ähnliches  bei  liegenden  Hermaphroditen  be- 
merkt wird.  Thonfigur,  unten  verstümmelt,  im  Königl.  Museum  zu  Berlin. 

3)  Eros  als  Kampfgott:  ein  geflügelter,  mit  Stirnschnur  geschmückter  und  in  eili- 
gem Lauf  begriffener  Knabe,  welcher  dem  von  ihm  beschützten  Kämpfer  in  der  erhobenen 
Rechten  eine  Blume,  in  der  Linken  aber  eine  Leyer  entgegenhält.  Die  Ähnlichkeit,  welche 

i Eros  in  dieser  Beziehung  mit  Hermes  hat,  wird  hier  noch  durch  Befliigelung  seiner  Füfse 

erhöht.  Spiegelzeichnung  eines  jetzt  vermuthlich  im  brittischen  Museum  befindlichen  Ori- 
ginals, nach  Caussei  Mus.  Rom.  II,  19.  Gerhard  Etr.  Spiegel  I,  120,  2 (vgl.  1). 

• 4.  5)  Priapischer  Eros:  Brustbilder  eines  Flügelknaben,  dessen  Brust  bei  umge- 

kehrtem Standpunkt  als  Phallus  erscheint.  Nach  Gemmenbildern,  in  doppelter  Gröfse  (wie 
auch  die  nachfolgenden)  gezeichnet,  deren  erstes  einem  schönen  Karneol  der  Thorwaldschen 
Sammlung  gehört:  Müller  Descr.  III,  no.  440. 

6)  Eros  Uranios  und  Pandemos:  jener  stehend  mit  einer  Maske  in  der  linken 
und  einer  gesenkten  Fackel  in  der  rechten  Hand,  dieser  ihm  gegenübersitzend  und  eine 
cerealische  Schlangencista  eröffnend (*).  Zeichnung  eines  vermuthlich  zu  Florenz  befindli- 
chen Gammeo. 

7)  Cerealischer  Eros,  sitzend  auf  einer  geöffneten  Cista;  statt  der  gewöhnlich 
daraus  hervortretenden  Schlange  ist  hier  nur  eine  sonst  nicht  übliche  Schleife  zu  erkennen. 
In  seiner  Linken  hält  er  eine  Fackel  ausgestreckt,  vermuthlich  zur  Läuterung  eines  in  seiner 
Rechten  vorauszusetzenden  Schmetterlings.  Glaskamee  im  Besitz  des  Herausgebers. 


')  Wie  hier  einerseits  die  Cista,  anderseits  Maske  und  Fackel  den  Uranios  vom  Pandemos 
zu  unterscheiden  scheinen,  wird  dieser  oben  Anm.  8 behauptete  Gegensatz  auch  durch  den  wechseln- 
den Kunstgebrauch  anderer  Gemmenbilder  bestätigt,  in  denen  einer  der  Eroten  die  Leyer,  der  andre 
eine  Traube  (Impr.  d.  Inst.  II,  52)  oder  auch  eine  umgekehrte  Fackel  (ebd.  II,  53)  trägt.  Auch  auf 
die  Gruppirung  eines  an  die  Grabesstätte  gefesselten  Eros  mit  einem  andern,  der  einen  Schmetterling 
haltend  die  Seelenverbindung  und  Seelenqual  fortsetzt  (Impr.  d.  Inst.  II.  55),  dürfte  derselbe  Gegensatz 
anwendbar  sein. 


* 


34 


Gerhard 


8)  Rogenspannender  Eros  in  älterem  Styl.  Gcmmenbild  nach  der  stark  ver- 
gröfserten  Zeichnung  hei  Millin  Mon.  II,  1.  Gal.  XLV,  191. 

9)  Bogenspannender  Eros  in  hermaphroditischer  Bildung.  Gemmenhild,  nach 
Caylus  Recueil  V,  20,  1.  Gal.  di  Firenze  I,  20,  1. 

10)  Eros  als  Seelenlenker:  auf  einem  Schmetterlinge  dem  Bild  der  Seele  stehend 
und  mit  dem  einen  Fühlhorn  denselben  zügelnd,  während  das  andere  widerstrebend  abwärts 
geneigt  ist.  Nach  einem  Gemmenahdruck. 

11)  Eros  seelenläuternd.  Der  Flügelknabe  Eros  hält  einen  Schmetterling  mit  der 
Rechten  über  die  Flamme  eines  Räucherbeckens,  während  die  andere  ans  Haupt  gelegte 
Hand  seine  Betrübnifs  kundgibt.  Nach  einem  Gemmenabdruck. 

12)  Eros  als  Kampfgott  mit  gekreuzten  Beinen  behaglich  stehend,  indem  er  sich 
auf  eine  umgekehrte  Lanze  stützt.  Nach  einer  Glaspaste. 

13)  Eros  in  einem  Grabmal.  Als  Grabmal,  in  Art  der  aus  Grabreliefs  und  aus 
Vasenbildern  bekannten  Heroen,  läfst  auch  der  auf  zwei  Säulen  gestützte  kleine  Tempel 
sich  betrachten,  in  dessen  Giebel  wiederum  eine  Meerzwiebel  oder  ein  ähnliches  Wucher- 
gewächs und  in  dessen  Innerem  ein  Flügelknabe  mit  einem  ähnlichen  Gegenstand  in  seiner 
Hand  zu  erkennen  ist.  Grüne  gestreifte  Glaspaste  im  Besitz  des  Herausgebers. 

14)  Bacchus  und  Amor.  Auf  einer  Erhöhung  stehend,  die  ihn  als  Idol  erscheinen 
läfst,  wird  ein  ungeflügelter  (Anm.  56)  mit  Pfeil  und  Bogen  versehener  Knabe  von  einem 
Jüngling  umfafst,  dessen  behaglicher  Wuchs  und  Ausdruck  zugleich  mit  bacchischer  Stirn- 
binde über  seine  Bedeutung  kaum  zweifeln  läfst  und  dem  zufolge  den  langen  von  seiner 
Linken  aufgestützten  Stab  auch  ohne  die  übliche  volle  Bekrönung  für  einen  Thyrsus  zu  halten 
gestattet.  Nach  einer  Glaspaste,  mit  welcher  das  Gemmenhild  eines  ähnlichen,  etwa  von 
Hymen  (einem  geflügelten  und  strahlenbekränzten  Jüngling)  umfafsten  flügellosen  Fackel- 
trägers Amor  bei  Müller  Denkm.  d.  a.  K.  V,  451  zu  vergleichen  ist. 

15)  Eros  im  Gewächsreich.  Der  als  Weltschöpfer  bekannte  Flügelknabe,  dessen 
orphische  Ableitung  aus  einem  Weltey  vielleicht,  gleich  des  Adonis  Geburt  aus  dem  Lattich, 
mit  andern  mythischen  Ableitungen  aus  üppigem  Pflanzenwuchs  (Anm.  17)  wechselte,  wofür 
in  Granat-  und  Lotushlüthe  hie  und  da  Andeutungen  sich  finden,  tritt  hier  aus  einer  Meer- 
zwiebel hervor  und  hält  wildes  Gesträuch  in  beiden  Händen,  welches  zugleich  mit  den  am 
Boden  vertheilten  Palmzweigen  am  wahrscheinlichsten  einen  Eros  der  Gräber  in  ihm  er- 
kennen läfst,  wie  er  über  Akanthos  und  ähnlichen  Wucherpflanzen  auch  an  unterilalischen 
Gräbervasen  (Gerhard  apul.  Vasenb.Taf.  III.  Vgl.  S.  IV,  26.)  sich  findet.  Gestreifter  Achat 
der  Demidoffschen  Sammlung:  Impr.  d.  Inst.  II,  44.  Vgl.  oben  Anm.  17.  26. 

16)  Eros  in  gnostischer  Vorstellung.  So  bezeichnen  wir  einen  geflügelten,  von  Mond 
und  Sternen  umgebenen,  am  Haupt  mit  dem  Modius  der  Erdgottheiten  bedeckten  Jüngling,  der 
mit  ausgebreiteten  Armen  Fesseln  hält  für  eine  von  ihm  zu  Boden  getretene  und  nach  ihm 
aufschauende  löwenköpfige  Schlange.  Nach  einem  Gemmenabdruck.  Vgl.  oben  Anm.  19. 

II.  Hermes  und  Aphrodite. 

1)  Hermaphrodit  den  Eros  haltend,  welcher  eine  ithyphallische  Herme  des 
bärtigen  Dionysos  bekränzt;  ein  Idol  der  Kora-Libera,  mit  Rehfell  über  langem  Gewand 
und  mit  einem  Reh  auf  den  Schultern,  steht  linkerseits  gegenüber.  Im  Hintergrund  ist  ein 
Rundbau  mit  Balaustium  sichtlich,  woran  gekreuzte  Fackeln  geheftet  sind,  vielleicht  ein 


über  clcn  Gott  Eros. 


35 


aphrodisisches  Heiligthum;  weiter  rechts,  durch  einen  ästigen  Platanus  oder  Eichbaum  ge- 
trennt, ein  zierliches  einhenkliges  Deckelgefäfs  auf  ionischer  Säule,  vielleicht  ein  Preis 
dionysischer  Spiele.  Grofses  Marmorrelief  im  Palast  Colonna  zu  Rom.  Nach  Montfaucon 
Anliq.  Suppl.  I,  88.  Gerhard  Bildw.  Taf.  XLII.  S.  287  f.  Vgl.  Heinrich  hermaphrod.  p.  37. 
Rochette  Peint.  de  Pompeji  p.  151  f.  Oben  Anm.  110  (Axieros). 

2)  Hermes  und  Aphrodite  einander  gegenüberstehend , sie  halbbekleidet  und  ihr 
Gewand  zierlich  lüftend  an  einen  Pfeiler  gelehnt,  er  mit  Heroldstab,  Flügelhut  und  ange- 
stemmtem linken  Arm  in  ernster  Haltung,  wie  mit  Götterbotschaft  ihr  nahend.  Zwischen 
beiden  eine  wie  mit  Halbmond  und  mit  geschmückter  Krone  verzierte  Säule,  an  welcher 
eine  kleine  Jünglingsfigur,  nackt  und  ithyphallisch,  in  der  linken  Hand  etwa  einen  Palmzweig 
haltend,  angelehnt  ist,  vermuthlich  Priapos(*),  wenn  nicht  vielleicht  weibliche  Brüste 
vorhanden  und  für  die  wahrscheinlichere  Annahme  eines  Hermaphroditen  — in  Überein- 
stimmung mit  Lactanz  I,  17:  Venus  ex  Mercurio  Hermaphrodit  um  qui  est  natus  androgynus. 
Oben  Anm.  83  — entscheidend  sind.  Wandgemälde:  Mus.  Borbon.  I,  32. 

3)  Hermes  und  Aphrodite.  Die  Göttin  sitzend  und  entkleidet  blickt  mit  über 
das  Haupt  gelegtem  Arm  auf  den  ihr  gegenüberstehenden,  durch  Caduceus  und  Petasus 
kenntlichen,  Hermes.  Zwischen  beiden  steht  auf  einer  Säule  zwischen  Bäumen  ein  Knabe 
den  man  für  das  Kind  ihrer  Liebe  (vgl.  no.  2)  halten  möchte,  wenn  auch  der  vermuthliche 
Thyrsus  in  seiner  Hand  eher  auf  Dionysos  rathen  läfst.  Kamee  des  brit.  Museums  no.  315. 

4)  Aphrodite,  Hermengott,  Eros.  Aphrodite,  nackt  aber  mit  Stirnkrone  ge- 
schmückt, sitzt  nachdenklich  und  von  der  übrigen  Darstellung  abgewandt  auf  Felsengrund, 
hinter  ihr  eine  bärtige  Herme,  die  ihrem  Modius  zufolge  eher  für  Dionysos  als  für  Her- 
mes zu  halten  ist.  Am  Schaft  dieser  Herme  steht  mit  gekreuzten  Beinen,  den  rechten 
Arm  angestemmt,  den  linken  hoch  anlehnend  (wie  sonst  an  einen  Baumstamm),  ein  den 

) bekannten  Todtengenien  ähnlicher  Flügelknabe.  Die  hiedurch  wie  durch  den  Bezug  auf 

bacchische  Todtenfeier  und  auf  Venus -Libitina  begründete  Sepulkralbedeutung  des  Ganzen 
wird  unten  am  Boden  noch  verstärkt  durch  zwei  in  Relief  daselbst  angebrachte  von  Del- 
phinen getragene  und  auf  die  Meerfahrt  der  Todten  bezügliche  Flügelknaben.  Gruppe  von 
Thon  aus  Pantikapäon,  nach  einem  von  Aschik  mitgetheiiten  und  in  dessen  russischem 
Werk  über  dortige  Alterthümer  gegenwärtig  veröffentlichten  Zeichnung. 

5)  Aphrodite  und  Hermaphrodit.  Die  Göttin,  in  weitem  Peplos  welcher  vom 
Oberleib  abgestreift  ist,  umarmt  sitzend  einen  neben  ihr  stehenden  ungeflügelten  Knaben 
dessen  Bildung  als  hermaphroditisch  versichert  wird,  vermuthlich  Adonis.  Schöne  attische 
Gruppe  von  Thon,  nach  Stackeiberg  Gräber  d.  Hell.  Taf.  LXI. 

III.  Hermaphrodit. 

1)  Bärtiger  Hermaphrodit,  nach  Beflügelung  und  etwaniger  Schleuder  in  der 
Rechten  der  bärtigen  F ortuna  römischen  Dienstes  gleichzustellen,  zumal  geflügelte  Fortunen 

')  Priapos,  nach  der  gewöhnlichen  Sage  Aphroditens  Kind  von  Dionysos,  heifst  doch  auch  Sohn 
des  Hermes  (bei  Hygin  fab.  160)  oder  eines  langohrigen  Gottes  (Macr.  Sat.  VT,  5),  nämlich  des  Pan. 
Dem  Hermaphrodit  gleichgesetzt  war  er  bei  Mnaseas:  Mvaceag  ‘Eppiacppo&iTov  toY  Tlplanov  Xeysi  (Schol. 
Lucian  D.  D.  xxxiii,  wo  Andre  toY  Tlptanov  'Epja.  lesen.  Vgl.  Bull.  Nap.  V.  p.  3S).  Jugendliche  Bil- 
dung desselben  Gottes  machte  noch  neuerdings  Welcker  für  ein  pompejanisches  Wandgemälde  (Ternite 
I.  Taf.  IV.  B.  Pitt.  d’Erc.  II,  24)  geltend;  weibischer  Kopfputz  ist  bei  ihm  gewöhnlich. 


36 


Gerhard 


in  Werken  gleicher  Kunstgattung  häufig  sind.  Männlich  sind  Bart  und  Brust,  das  Übrige 
weiblich.  Etruskische  Spiegelzeichnung  nach  Inghirami  Mon.  Etr.  II,  12.  Gerhard  Etr.  Spiegel 
I,  31,  2 („Bärtige  Fortuna“). 

2)  Hermaphrodit,  dem  Eros  vorangeht,  lenkt  auf  einem  Wagen  stehend  ein 
Gespann,  welches  aus  bacchischem  Panther  und  apollinischem  Greif  zusammengesetzt  ist. 
Aus  einem  unteritalischen  Gefäfsbild.  Tischb.  III,  22.  Gerhard  Bihlw.  CCCXIII,  3. 

3)  Hermaphrodit,  als  viereckte  Herme  mit  Andeutung  seines  Doppelgeschlechts 
am  Schaft;  der  in  Gewand  gehüllte  Oberleib  erscheint  männlich.  Die  im  Schaft  befindliche 
Weihungsinschrift  eines  M.  Valerius  Antonius  Antico  eignet  diese  Herme  dem  Juppiter 
Terminalis  zu.  Marmorherme  des  Grafen  Mangelli  zu  Forli.  Nach  Annali  d.  Inst.  XIX, 
327  ff.  pl.  S.  Ygl.  Borghesi  Bull.  1831  p.  182  ss. 

4)  Hermaphrodit,  angelehnt  in  rechtshin  aufschauender  Stellung,  die  Beine  gekreuzt, 
in  der  linken  Hand  ein  offenes  Schmuckkästchen  hallend.  Nebenfigur  eines  grofsen  gegen- 
wärtig im  Museum  zu  Turin  befindlichen  Yasenbildes,  welchem  der  Hermaphrodit  als  hoch- 
zeitlicher Gott  beigesellt  zu  sein  scheint.  Nach  Gerhard  griech.  Mysterienbilder  Taf.  V. 
(„Brautwerbung”).  Prodr.  S.  380  f.  Vgl.  oben  Anm.  112. 

5)  Hermaphrodit  in  viereckter  Hermenbildung,  so  zu  bezeichnen  nach  der  für 
ähnliche  Hermen  mit  Modius  und  schlaffer  Männlichkeit  oben  Anm.  111  a gegebenen  Bestim- 
mung, obwohl  Braun  (Ann.  IX,  249  f.)  wegen  der  Verbindung  mit  Pan  und  Aphrodite 
vorzog  einen  Eros  darin  zu  finden,  dessen  öftere  Verbindung  mit  Pluto  (?)  auch  den  Modius 
rechtfertige.  Aus  der  Bellerophonsvase  im  Museum  zu  Karlsruhe:  Mon.  d.  Inst.  II,  50. 
Ann.  IX,  249  f. 

6)  Hermaphrodit  als  viereckte  Herme  mit  Frauenkopf  und  mit  Andeutung 
männlichen  Gliedes;  am  Schaft  ein  Ilermesstab.  Vor  dieser  Herme  steht  ein  Altar,  dem 
ein  Silen  mit  Thyrsus  und  Trinkhorn  sich  nähert;  anderseits  (hier  ebenfalls  weggelassen) 
eine  Bacchantin.  Vasenbild  eines  Oxybaphon  nach  Bull.  Napol.  V,  4,  von  Minervini  erklärt 
p.  36  ff.  Vgl.  ebdas.  Cavedoni  p.  72. 

7)  Hermaphrodit,  ebenfalls  hermen förmig,  am  Schafte  schlaff  männlich,  durch 
Modius  auf  dem  Haupt  als  weiblich  bezeichnet.  Erzfigur  im  Kgl.  Museum  zu  Berlin. 

IV.  Dämonen  der  Aphrodite. 

1)  Venus  und  Hermeros.  Neben  der  vom  Delphin  begleiteten  Göttin  steht  eine 
ungeflügelte  Erosherme,  beides  als  Idole  eines  von  Säulen  eingeschlossenen  Fleiligthums. 
Marmorfragment  eines  Reliefs  im  Museo  Chiaramonti 

2)  Hermaphrodit  in  einer  Höhle,  von  Aphrodite  und  Eros  umgeben;  von 
letzterem  sind  nur  die  Füfse  erhalten.  Das  gedachte  Kultusbild  — bartlos,  aber  bei  weiblichen 
Brüsten  und  langem  Gewand,  welches  der  Gott  mit  beiden  Händen  öffnet,  ithyphallisch 
gebildet  — befindet  sich  in  einer  Felshöhle,  neben  welcher  die  ungleich  gröfsere  Figur 
der  Göttin  steht;  diese  ist  vollständig  bekleidet,  die  rechte  Schulter  entblöfst,  ihre  Bewegung 
wegen  abgebrochener  Arme  ungewifs.  Griechisches  Relief  im  Königl.  Museum  zu  Berlin; 
ein  ähnliches  glaube  ich  im  Münzkabinet  zu  Paris  bemerkt  zu  haben.  Vgl.  oben  Anm.  103. 

3)  Venus-Urania  mit  zwei  Flügelknaben,  deren  einer  die  Fackel,  der  andre 
den  Bogen  hält.  Die  Göttin  ist  mit  Stirnkrone  und  Peplos  angethan;  sie  scheint  ihre  San- 
dale vom  linken  Fufs  ablösen  zu  wollen.  Als  bedeutsame  Attribute  sind  Delphin  und 


37 


/ 


* 

über  den  Gott  Eros. 

4 


Hammer  (neptunisch  und  vulkanisch),  Spiegel  und  Fackel,  Stirnkrone  und  Bogen,  Becken 
und  Syrinx  ihr  zur  Seite^kunstreich  aufgesclufhtet.  Erzfigur  von  Millingen  bekannt  ge- 
macht und  auf  Venus-Urania  gedeutet  (Transactions  of  the  Royal  Society  of  literature 
Ser.  II.  Vol.  I.  p.  62  ff.). 

4)  a.  b.  c.  Eros,  Apoll  und  Aphrodite,  den  von  Plirn’us  erwähnten  samothraki- 
schen  Gottheiten  Pothos,  Phaeihon  und  Venus  entsprechend.  Untere  Trias  der  zuletzt  in 
meiner  Abhandlung  über  Venusidole  (Berl.  Akad.  1843)  Taf.  IV,  1-3  nach  meinen  Antiken 
Bildwerken  Taf.  XLI  abgebildeten  Cbablais’schen  Herme. 

5)  Venus  und  Adonis.  Die  Göttin,  Tiplianati  benannt,  sitzend  auf  einem  Sessel 
unter  welchem  eine  mystische  Cista  sich  befindet,  spielt  mit  dem  Fliigelknaben  Adonis, 
dessen  Name  beigeschrieben  ist  ( Atunis ),  um  eine  Taube.  Zwischen  beiden  ist  ein  Baum 
oder  eine  Staude  bemerklich.  Spiegelzeichnung  im  Besitz  des  Herausgebers.  Gerhard 
Etr.  Spiegel  I,  116. 

6)  Venus  auf  ihrem  Schofs  einen  ganz  ähnlichen  Fliigelknaben,  nach  dem  vorigen 
Bild  eher  Adonis  als  Amor,  haltend;  auf  ihrer  Rücklehne  eine  abgewandte  Taube.  Nach 
Guattani  Mon.  ined.  1787  p.  29.  Röchelte  Mon.  pl.  LXXVI,  3.  Gerhard  Etr.  Sp.  I,  117. 


V.  Eros  »er  Tobten. 

1)  Sitzender  Eros  mit  einem  Rosenkranz  umgürtet;  in  reifer  Jünglingsbildung 
mit  grofsen  Flügeln.  Untcritalische  Thonfigur,  in  zwei  Drittheil  der  originalen  Gröfse 
gezeichnet,  im  Besitz  des  Herausgebers. 

2)  Eros  und  Todesgöttin.  Krug  und  Binde,  vielleicht  auch  mit  dieser  eine  ge- 
senkte Fackel  haltend,  steht  ein  mit  Stirnband  geschmückter  Eros  zu  einem  Todtenopfer 
bereit  vor  dem  Idol  einer,  wie  Hekate  kurzbekleideten,  am  fiigl ichsten  als  Kora-Libera 
zu  benennenden,  Göttin  mit  Modius,  gesenkter  Fackel  und  an  die  Brust  gedrückter  Blume. 
Unter  dem  Opfertisch,  worauf  sie  steht,  ist  ein  Hahn  zu  chthonischem  Opfer,  nebenher  ein 
mit  Früchten  gefüllter  Kalathos  zu  bemerken.  Grofsgriechisches  Thonrelief,  nach  Gerhard 
Bildw.  Taf.  LXX V,  1.  S.  313  f. 

3)  V e n us - L i b i t i n a , im  euphemistischen  Ausdruck  der  unbekleideten  Schönheits- 
göttin, welche  ihr  Haar  ordnet,  während  Eros  ihr  einen  Klappspicgel  enlgegenhält  und 
und  die  menschliche  Seele  als  Schmetterling  nebenher  angedeutet  ist.  Karneol  der  Stoschi- 
schen  Sammlung:  Winckelm.  Descr.  II,  530. 

4)  Eros  in  Hermen  form  unterwärts  endend,  hält  als  S ee I e n 1 äu terer  dem  in 
seiner  Linken  gehaltenen  Schmetterling  mit  der  Rechten  eine  Fackel  entgegen.  Glaspaste 
der  Stoschischen  Sammlung:  Winckelm.  Descr.  II,  890. 

5)  Bacchischer  Eros,  ebenfalls  von  archaischer  Zeichnung,  beschäftigt  eine  schlanke 
und  spitze  Amphora  in  ein  darunter  stehendes  gleichfalls  spitzes  aber  geräumigeres  Gefäfs 
auszugiefsen.  Im  Kgl.  Museum  zu  Berlin:  Tölken  Beschr.  11,111. 

6)  Eros  mit  Grabesspenden,  die  er  in  einer  Schale  auf  ähnliche  Weise  vor  sich 
hält,  wie  die  unter  no.  7 nachfolgende  Venus  Lihilina.  In  steifer  und  alterthiimlicher  Hal- 
tung den  Gemmenbildern  no.  4.  5 entsprechend.  Sloschischer  Karneol : Winck.  Descr.  II,  788. 

7X  Venus  Lihilina,  eine  Schale  mit  beiden  Händen  fassend;  neben  ihr  links  ein 
bacchischer  Rehslamm,  rechts  ein  Preisgefäfs  mit  Siegespalme.  Häufige  und  anderwärts 
(Kunstblatt  1827  no.  69.  70.  Prodr.  S.  231  f.)  mehrbesprochene  Darstellung,  nach  einem 

F 


38 


Gerhard  über  den  Gott  Eros. 


Smaragd -Praser  der  Stoschischen  Sammlung:  Winck.  Descr.  II,  1466  („Ariadne”).  Tölken 
Verz.  HI,  976  (Methe). 

8)  Gräber-Eros,  an  einer  Grabessäule  Schmetterling  und  Fackel  zur  Seelenläute- 
rung haltend.  Stoschische  Glaspaste:  Winck.  Descr.  II,  887.  Tölken  Verz.  III,  702. 

9)  Gräber-Eros,  an  einer  mit  Kugel  (nach  Tölken  der  Muse  Urania)  bekrönten 
Säule  die  Rolle  des  Geschickes  lesend.  Smaragd -Praser  der  Stoschischen  Sammlung  mit 
Revers  einer  Procula  rarissima:  Winck.  Descr.  II,  773.  Tölken  Verz.  V,  196. 

10)  Rrustbild  eines  Amor,  der  einen  Schmetterling  andrückt.  Gemmenbild  einer 
in  dieser  Kunstgattung  häufigen  Darstellung:  nach  einem  Gemmenabdruck. 

11)  Venus  Libitina,  auf  das  Kapitell  einer  Grabessäule  hoch  auftretend,  liest  in 
einer  Schicksalsrolle.  Nach  einer  Gemmenzeichnung  im  archäologischen  Apparat  des  Kgl. 
Museums  fol.  67  i. 

12)  Gräber-Eros  die  Psyche  bindend,  die  als  erwachsenes  Mädchen  an  einer 
mit  Kugel  bekrönten  schlanken  Säule  steht.  Im  archäologischen  Apparat  Vol.  II.  fol.  68  m. 


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